A brief History of Darts – Die Darts WM 2021

In der Weihnachtszeit erlebt der Dartsport traditionell seinen Höhepunkt. Die Darts WM 2021 findet wegen der Corona Pandemie in diesem Jahr wohl erstmals in ihrer 28-jährigen Geschichte ohne Zuschauer statt. Der Begeisterung wird das aber auch hierzulande keinen Abbruch tun, den Darts hat mittlerweile auch in Deutschland mehrere Hunderttausend treue Anhänger, Tendenz steigend. Doch wie wurde aus einem einfachen Pub-Spiel, ein Spitzensport mit Millionenumsätzen?

Die wichtigsten Grundlagen

Dartscheibe

Die Höhe bis zum Mittelpunkt der Dartscheibe ist 1,73 m über dem Boden. Der horizontale Abstand bis zur Scheibe beträgt 2,37 m. Im inneren Ring der Scheibe befinden sich die Triple-Felder, im äußeren Ring die Doppelfelder. Normalerweise wird Eins gegen Eins gespielt. Ziel der Spieler ist es, möglichst schnell 501 Punkte auf 0 zu bringen. Hierfür haben sie abwechselnd immer drei Darts zur Verfügung. Um ein „Leg“ zu beenden ist grundsätzlich das Treffen eines Doppel-Feldes notwendig.

Wie ist Darts eigentlich entstanden?

Diese Frage ist nicht eindeutig geklärt und gilt unter Historikern als umstritten. Man ist sich jedoch relativ einig, dass die Wurzeln des Darts aus dem Speerwurf stammen und französische Streitkräfte bereits im Mittelalter kleine Speere benutzt haben, um ihre Zielgenauigkeit zu trainieren. Als Ziel dienten damals wohl Holzscheiben, denn die Grundstruktur des „Bords“ ist auf die Jahresringe innerhalb eines Stammes zurückzuführen. Einer der ersten historischen Belege, geht übrigens auf den berühmten britischen Monarchen Henry VIII zurück, der im Jahr 1532 von seiner sechsten Frau Anne Boleyn „dartes“ geschenkt bekam. Die moderne Einteilung der Felder hat dann im Jahr 1896 der britische Zimmermann Brian Gamlin festgelegt. Sie gilt bis heute als mathematisch nahezu perfekt, da sich die  punktemäßig hohen und niedrigen Felder gleichmäßig verteilen.

Darts wurde in Großbritannien zum Massenphänomen

Im Jahr 1906 stellte man dann erstmals Dartpfeile maschinell und aus Messing her. Das Spiel war nun fair und die Darts für jedermann erschwinglich geworden.

ein moderner Dartpfeil

Ganz besonders in den englischen Pubs erfreute sich das lustige Trinkspiel immer größerer Beliebtheit. Doch Darts gilt damals noch als Glücksspiel, weshalb es im Jahr 1908 zu einer heute legendären Gerichtsverhandlung kam.

Ein Gastwirt in Leeds, Jim Garside, war wegen illegaler Wetten auf ein Glücksspiel (Dart) angeklagt. Vor Gericht erschien er jedoch nicht allein, er nahm kurzerhand den besten Dartspieler der Umgebung mit: „Bigfoot“ William Anakin. Nachdem „Bigfoot“ drei Mal in Folge die 20 getroffen hatte, musste ein Gerichtsdiener werfen, der exakt einmal die Scheibe erwischte. Die völlig verblüfften Richter erklärten beeindruckt:

„Darts is no game of chance“

Von nun an, war der Siegeszug des Kneipensports nicht mehr aufzuhalten.

Darauf folgte im Jahr 1927 das erste große landesweite Turnier: Das News of the World Darts Tournament. Bereits bei seiner ersten Auflage meldeten sich ca. tausend Teilnehmer an. Die Vorrunden wurden noch in den einzelnen Pubs ausgespielt und die kurze Distanz (best of 3 Legs) sorgte für reichlich Spannung bei Spielern und Zuschauern. Den Höhepunkt erreichte dieses Turnier im Jahre 1938/39 als sich 280.000 Teilnehmer anmeldeten um den einen Sieger zu ermitteln. Darts war damals zweifelsfrei die Lieblings-Freizeitbeschäftigung der britischen Arbeiterklasse. „Normale“ Fabrikarbeiter konnten plötzlich zu Stars werden, auch wenn es damals noch nicht besonders viel Geld zu verdienen gab.

Ein Imageproblem blieb

Bierfass

Die Popularität nahm weiter zu und spätestens mit dem Beginn der Fernsehübertragung von Sky Sports UK im Jahre 1970 waren die Sportler im Mainstream angekommen. Hier offenbarte sich jedoch ein grundsätzliches Problem: Man konnte zwar den Spieler aus dem Pub auf die große Bühne holen, aber das Pub nicht aus dem Spieler. Während der Matches wurde, wie in alter Tradition, weiterhin Alkohol getrunken und fleißig geraucht. Immer wieder kam es zu Zwischenfällen mit offensichtlich betrunkenen Spielern die beispielweise von der Bühne fielen oder eher unglückliche Interviews gaben. Jocky Wilson, damals einer der besten seiner Zunft, wurde einmal gefragt, wie viel er denn pro Spiel trinke? Er antwortete: „So fünf, sechs halbe Bier und ein oder zwei Wodka, kämen da schon zusammen.“ Derartige Aussagen und der berühmte „Not the Nine O’Clock News“ Sketch führten dazu, dass sich die Öffentlichkeit immer mehr über dieses Verhalten empörte und Darts erstmals in seiner Geschichte ein echtes Imageproblem bekam.

Gründung der Professional Darts Corporation (PDC)

Deshalb zogen Anfang der 1990er Jahre sogar einige TV-Sender die Übertragung von Turnieren zurück. Woraufhin unter den Topspielern der Wunsch nach mehr Professionalität lauter wurde. Der damalige Verband, die British Darts Organisation (BDO), sah jedoch keinen Anlass für tiefgreifende Veränderungen. Enttäuscht von den Plänen des Verbands zogen deshalb die 16 besten Spieler ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1992 zurück und beschlossen ihren eigenen Verband, die PDC, zu gründen. Nach einem zähen Rechtsstreit über mehrere Jahre wurde die Gründung der PDC, unter der Leitung von Manager Barry Hearn, schließlich anerkannt. Er soll damals, als das Konzept des Verbandes ausgearbeitet wurde, den legendären Satz „I smell Money“ gesagt haben. Die PDC und die Darts WM 2021 sind seitdem eine einzige Erfolgsstory. Die BDO musste hingegen nach jahrelanger Rezession nun 2021 Insolvenz anmelden.

Das moderne Darts – Die Darts WM 2021

Im modernen Darts steht vor allem der sportliche Wettkampf im Vordergrund. Die turbulente Vergangenheit scheint aktuell in weiter Ferne. Der Alkohol hat weiterhin seinen Platz im Sport, allerdings ausschließlich auf den Zuschauerrängen. Wenn Deutschland es schafft, noch den ein oder anderen Spieler in die absolute Weltspitze zu bringen, steht einer rosigen Zukunft nichts mehr im Wege. Ein besinnliches Weihnachtsfest und eine schöne Dart WM 2020.

Über den Autor

Sebastian Roßkopf

Privat bin ich in der Kleinstadt bei reichen Eltern aufgewachsen und versuche diese nun mit diesem Studium zu verärgern. Meine Hobbys sind lesen, instagram und Freunde treffen. Außerdem kümmere ich mich um ein kleines Gemüsebeet in unserem Vorgarten. Lieblingsautoren: Benjamin vS-B, Tommi Schmitt, Micky Beisenherz.