Alles ohne Strom – Gibt es Alternativen zur Live-Musik?

Corona und die Alternativen zur Live-Musik

Keine Ton, nirgendwo

Als die Toten Hosen im Oktober 2019 ihr unplugged Album „Alles ohne Strom“ veröffentlichten, war die Konzertwelt rund um den Globus noch in Ordnung. Kurze Zeit später war dann wirklich jedes Konzert ohne Strom, denn es gab keine mehr. Das Corona-Virus machte jeglichen Touren ein Strich durch die Rechnung und legte eine ganze Branche und einen großen Bereich in unserer Freizeit lahm. Die Suche nach Alternativen zur Live-Musik während Corona began.

Live Konzert

Anfangs nahmen es viele Künstler so hin wie es war, keiner dachte das diese Zwangspause lange dauern wird und man nach einigen Wochen vor tausenden von Menschen wieder auf der Bühne sein und sein Talent unter Beweis stellen könne. Doch nach und nach fielen immer mehr und mehr Touren aus bis alle Live-Events pausieren mussten. Doch der Drang der Welt sich zu zeigen zu wollen war größer als die Corona-Pandemie und so taten sie was Künstler am besten können: Sie wurden kreativ.

Von der Ladentheke auf die Bühne

Bands und Sänger*innen brauchen seit einigen Jahren die Bühne mehr als je zuvor. Durch die Verlagerung der Musik vom CD-Player in das Internet und dem damit verbundenen Zahlungssystemen ist nur das veröffentlichen von neuer Musik nicht mehr so rentabel wie früher. Zwar ist der Weg seine eigenen Werke der Welt zu zeigen einfacher geworden, doch vor allem kleiner Künstler sind auf Konzerte angewiesen um davon leben zu können.

Hamburger Plattenladen auf St. Pauli

Ein großer Teil der Einnahmen von Musiker findet über Konzerte statt. Das gezahlte Geld von Streamingdiensten wie Spotify oder Deezer, kommt nicht an die Umsätze einer verkauften CD ran. Der Trend in den letzten Jahren zeigt, dass der Verkauf von physischen Tonträgern immer weiter sinkt. Also bleibt den meisten Künstlern nur die Bühne für ein Leben von der Musik.

Alternativen zur Live-Musik

Drive-In statt Over Drive

Durch die Pandemie fällt dieser große Einnahmezweig nun weg, doch viele Bands wissen sich zu helfen und versuchen andere Wege zu finden, die vom klassischen Konzert abweichen. Eine Möglichkeit sind die so genannten „Drive-In Konzerte“, die ähnlich wie Autokino funktionieren. Es sind zwei Personen pro PKW erlaubt und das Konzert wird durch die Frontscheibe beobachtet. Das ist kein Ersatz zu einem Mosh-Pit aber doch eine Alternative zur eigentlichen Live-Musik

Deutsche Künstler wie „Alligatoah“ fingen damit schon 23.04.2020 an und setzten damit einen (aus der Not heraus) neuen Trend, doch Live-Shows stattfinden zu lassen. Auch in Amerika gab es schon Konzerte in dieser Form. Die Band „The Front Bottoms“, aus New Jersey spielten Drive-In Konzerte um für ihr neues Album zu werben und lassen so die 70er wieder Einkehr in unseren neuen Alltag finden.

Alternativen zur Live-Musik während Corona

Vom E-Ticket zum E-Konzert

Aber trotzdem Leben wir immer noch im Jahr 2020 und somit in der Blütezeit des Internets. Auch im Netz wurde nach Lösungen gesucht und man wurde fündig. Was viel Gamer schon seit Jahren kenn und vor allem Anfang der 2010er Jahre machten, ist auch ein weiterer Weg für Musiker seit diesem Jahr Musik live zu spielen. Es wird ein Konzert live aber ohne Zuschauer gespielt und zeitgleich ins Internet gestreamt. Wer dabei sein will muss davor ein „Ticket“ also die Zugangsdaten für den Livestream kaufen.

Niall Horan bei einem Live-Auftritt 2018

Klassische Ticketverkaufsstellen im Internet, wie Ticketmaster bieten „Eintrittskarten“ für diese Livestreams an. Der Preis für so eine Show ist natürlich deutlich günstiger als bei einem richtigen Konzert. Ein Ticket von Niall Horan ttps://www.instagram.com/niallhoran/ (ehemaliges Mitglied der Band One Direction) kostet normal 56,40 Euro, für das virtuelle Konzert sind es noch 17,50 Euro. Ob die knapp 40 Euro die man spart eine ausreichende Entschädigung ist, dass man nicht wirklich auf dem Konzert sein darf muss man selbst entscheiden.

Nicht nur vorne spielt die Musik

Trotz dieser zwei kreativen Lösungen, Live-Musik während der Pandemie an die Menschen heranzutragen, kann und wird es niemals ein echtes Konzert ersetzten. Und darunter leiden neben den Musiker besonders die Angestellten und Mitarbeiter die hinter den Kulissen auf einer Tour dabei sind. Sie haben keine Songs die noch die nötigsten Ausgaben abdecken oder die Möglichkeit übers Internet Geld zu verdienen. 

Stage-Worker beim Aufbau der Bühne

Natürlich werden bei den Drive-In Konzerten Mitarbeiter benötigt, die die Bühne aufbauen oder Ordner die sich um die Sicherheit kümmern. Dennoch ist es nicht dasselbe, da solche Konzerte seltener stattfinden bzw. kein Tagesgeschäft sind, wie bei einer kompletten Tour. Für das virtuelle Konzert gilt das noch verschärft da dort selten eine große Bühne bzw. nie Ordner gebraucht werden.

Bis zum letzten Ton

Wie lange das noch so weiterlaufen kann, bis die Musik und Kulturbranche bleibende Schäden davon trägt versuchen zwar einig zu berechnen, aber erahnen kann es zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Trotz aller alternativen zur Live-Musik während Corona: Die größte Hoffnung ist, wie in allen Branchen, ein Impfstoff, der das Coronavirus soweit in den Griff bekommt, dass das Leben wieder zur Normalform zurückfindet. 

Bis dahin gilt es wer Livemusik erleben will muss ins Auto steigen, sein Wohnzimmer in einen kleinen Konzertsaal umbauen oder alte Konzertvideos von vor 2020 auf seinem Handy raussuchen und das beste aus der Situation mach. Und vielleicht haben Sie Glück und ihr Quarantänepartner ist musikalisch begabt und kann ihnen ein Ständchen singen. Solche Alternativen zur Live-Musik wünscht sich doch jeder.

Über den Autor

Mika Schellhammer

Mika Schellhammer ist Student im Studium Ressortjournalismus an der Hochschule in Ansbach.