Koffein – gesunder Wachmacher oder gefährliches Suchtmittel?

Seit Jahrhunderten ist das Kaffeetrinken in Deutschland Tradition. Doch was nur wenigen bewusst ist: Bei dem Wirkstoff Koffein handelt es sich um ein Suchtmittel, das abhängig machen und sogar zum Tod führen kann. Was ist diese Alltagsdroge Koffein, woher kommt sie, wie wirkt sie und wie gefährlich ist sie wirklich?

Alltagsdroge Koffein, Kaffeebohnen
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Die beliebteste Alltagsdroge heißt Koffein

Aufstehen, Frühstücken und dazu einen Kaffee trinken – so beginnen rund drei Viertel der Deutschen ihren Tag. Wir konsumieren jährlich 162 Liter des beliebten Wachmachers. Das entspricht dem 1,7-fachen des durchschnittlichen Bierkonsums und macht Kaffee hierzulande zum Lieblingsgetränk. Koffein, das auch in Tee, Cola und Energy Drinks zu finden ist, ist in Deutschland die gefragteste Alltagsdroge.

Die Geschichte von Kaffee

Ursprünglich kommt der Kaffee aus dem ostafrikanischen und arabischen Raum. Dort galt er schon vor Jahrtausenden als natürliches Heilmittel. Durch Händler kam er nach Kleinasien, in die heutige Türkei. Die Samen wurden getrocknet, geröstet, gemahlen und dann in Wasser aufgekocht. Im 17. Jahrhundert brachten Reisende das Getränk als Souvenir mit nach Europa. Die Bevölkerung begeisterte sich dafür und schon bald gab es in allen Großstädten Kaffeehäuser.

Im Jahr 1819 gelang es dem deutschen Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge erstmals, reines Koffein aus den rund 1000 verschiedenen Inhaltsstoffen von Kaffee zu isolieren. Es handelt sich um ein weißes, geruchloses Pulver und kann außer aus Kaffeebohnen auch aus Teeblättern, Guarana-Beeren, und Kolanüssen gewonnen werden. In der Medizin wurde es zunächst unter anderem als Aufputschmittel, zur Behandlung von Atemstörungen und zur Anregung des Stoffwechsels verwendet.

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Wie wirkt die Alltagsdroge Koffein?

Wenn das Gehirn arbeitet, brauchen die Nervenzellen Energie. Dabei entsteht als Nebenprodukt Adenosin, das das Gehirn vor Überanstrengung schützen soll. Es setzt an bestimmten Rezeptoren an den Nervenbahnen an. Daraufhin bekommen die Nervenzellen das Signal, langsamer zu arbeiten. Koffein besetzt dieselben Rezeptoren, aktiviert sie aber nicht. Es verhindert somit, dass das Adenosin dort andocken kann. Die Nervenbahnen bekommen kein Signal und arbeiten entsprechend weiterhin mit hoher Geschwindigkeit.

Konsumiert man Koffein, so dauert es ungefähr 15 bis 30 Minuten, bis die Wirkung eintritt. Über Magen und Dünndarm gelangt es in den Blutkreislauf und von dort ins Gehirn. Nach einigen Stunden wird der Stoff von der Leber abgebaut und im Urin ausgeschieden.

Er wirkt in erster Linie auf die Psyche. Es steigert die Leistungsfähigkeit des Gehirns und beschleunigt dadurch die Konzentrationsfähigkeit und das Denkvermögen. Das erleichtert Lernprozesse. Die Reaktionszeit sinkt und Müdigkeitserscheinungen werden beseitigt. Vor allem bei höherer Dosierung hat Koffein aber auch eine physische Wirkung. Es regt das Atemzentrum und den Kreislauf an, steigert die Körperkoordination und beruhigt die Bronchien. Außerdem werden vermehrt die Stresshormone Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet, die den Körper vor Gefahr schützen.

Der Blutdruck steigt und die Sauerstoffversorgung der Zellen verbessert sich. Das Herz schlägt schneller und das gesamte Herzkreislaufsystem wird angeregt. Die Blutgefäße werden verengt, wodurch die Fließgeschwindigkeit des Blutes, die oft Auslöser von Kopfschmerzen und Migräne ist, verlangsamt wird. Koffein kann sogar einen leicht euphorischen Zustand hervorrufen. Denn beim Konsum wird die Konzentration der Glückshormone Serotonin oder Dopamin erhöht. Es ist also ein legales Aufputschmittel, das die psychische und körperliche Leistung steigern kann.

Es gibt aber durchaus Nachteile

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Doch Koffein hat auch eine negative Seite. Der aufputschende Effekt kann zu Einschlafproblemen und Schlaflosigkeit führen. Weitere körperliche Nebenwirkungen sind Muskelschmerzen und Herzrhythmusbeschwerden. Die abführende Wirkung kann zu Magen-Darm-Beschwerden und zu gesteigertem Harndrang führen.

Vor allem bei Lebervorerkrankungen ist von Koffein abzuraten. Zudem kann sich die Wirkung anderer Medikamente in Kombination mit Koffein verstärken beziehungsweise verringern.

Abhängigkeit und Entzug

Wie viel Koffein man verträgt, hängt vor allem vom Körperbau und von der Toleranz ab. Denn schon nach 6-15 Tagen regelmäßigen Konsums gewöhnt sich der Körper daran. Er bildet mehr Adenosin-Rezeptoren und die Nervenzellen arbeiten langsamer. Dann ist auch die Wirkung des Koffeins eingeschränkt. Es wird also benötigt, um den Körper wieder in den „Normalzustand“ zu bringen und steigert kaum noch die Leistungsfähigkeit. Man entwickelt eine psychische und physische Abhängigkeit.

Die Folgen treten häufig erst zu Tage, wenn man den Konsum von koffeinhaltigen Produkten stark verringert oder ganz absetzt. Nach 12 bis 24 Stunden nach der letzten Tasse Kaffee machen sich die Entzugserscheinungen am stärksten bemerkbar: Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verringerte Konzentrationsfähigkeit sind typische Beschwerden. Auch Übelkeit und Kopfschmerzen sind nicht unüblich, da die Geschwindigkeit des Blutflusses nach Absetzen des Koffeins steigt. Nach ungefähr zwei Tagen hat sich der Körper vom Entzug erholt.

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Überdosierung und tödliche Dosis

Schwierig ist also, die richtige Dosierung zu finden, vor allem, weil jeder anders auf Koffein reagiert. Eine Überdosierung, auch Koffeinschock genannt, ist nichts anderes als eine Vergiftung. Typische Symptome dafür sind Nervosität, innere Unruhe und Reizbarkeit, bis hin zu unkontrolliertem Zittern und Angst- oder Schweißausbrüchen. Oft kommt es zu Herz-Kreislauf-Problemen und Herzrasen. Die tödliche Dosis liegt beim Menschen je nach Gewicht, Alter und Toleranz zwischen 5 und 30 Gramm reinem Koffein. Das entspricht in etwa 100 Tassen am Tag.

Vor allem Jugendliche experimentieren häufig mit Koffeinpulver oder Koffeintabletten, die ursprünglich für Sportler entwickelt wurden. Sie wirken stärker als Kaffee oder Energy Drinks und führen daher bei Missbrauch schneller zu einer Überdosis. Immer wieder kommt es besonders in dieser Altersgruppe zu tragischen Todesfällen, dehalb raten Forscher dringend von der Einnahme ab.

So viel Koffein ist ungefährlich

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Quelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, 2015

In geringen Mengen ist Koffein allerdings nahezu ungefährlich. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die beliebtesten koffeinhaltigen Lebensmittel und ihren ungefähren Koffeinanteil anschaulich zusammengefasst. Demnach enthält eine Tasse Filterkaffee ca. 90 Milligramm, während eine Dose Energy Drink und ein Espresso jeweils 80 Milligramm enthalten.

Für gesunde Menschen gelten Einzeldosen von 200 Milligramm und Tagesrationen von 400 Milligramm Koffein als unbedenklich. Für Schwangere wird maximal die Hälfte empfohlen, ebenso sollen ältere und kranke Personen sowie Kinder nur in geringe Dosen konsumieren.

Da die Wirksamkeit von Koffein abhängig von Körpergewicht und Alter ist, rechnet man bei Erwachsenen mit 5,7 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und bei Kindern von 3 Milligramm pro Kilogramm.

Um den eigenen Koffeinkonsum zu kontrollieren, hat das Bundeszentrum für Ernährung eine Webseite ins Leben gerufen. Dort gibt man zuerst Alter, Gewicht und die Menge an Getränken an. Dann errechnet die Seite, ob der Verzehr im Rahmen oder übermäßig ist.

Hier geht’s zur Webseite: checkdeinedosis.de/

Quelle: checkdeinedosis.de

Fazit: Die Dosis macht das Gift

Die Entwicklung einer Toleranz, einer psychischen und einer körperlichen Abhängigkeit sind typische Eigenschaften von Suchtmitteln. Daher gilt Koffein als Alltagsdroge. Der Begriff umfasst im allgemeinen Sprachgebrauch legal erhältliche Substanzen, deren Konsum weit verbreitet ist. In Deutschland zählen neben Koffein auch Alkohol, Nikotin und verschiedene Medikamente dazu. Doch kein Getränk ist so beliebt wie Kaffee. 2,25 Milliarden Tassen werden weltweit täglich konsumiert. Umfragen zufolge trinken ihn vier von fünf Deutschen täglich, drei von fünf sogar mehrmals täglich.

„Auch wenn Kaffee vielen Menschen gut tut, medizinisch und pharmakologisch ist Koffein eine Droge“

Hartmut Göbel, Facharzt für Neurologie an der Schmerzklinik Kiel

Auch wenn das Wort „Droge“ negativ behaftet ist, ist Koffein nicht automatisch schlecht. Es handelt sich um ein gesellschaftlich anerkanntes Suchtmittel, bei dem die Folgen einer Abhängigkeit sowohl für die Person als auch für ihr Umfeld gering sind. Es gibt tatsächlich immer wieder Todesfälle durch Koffein, angesichts des weit verbreiteten Konsums sind sie jedoch extrem selten.

Mein Fazit: Die Alltagsdroge Koffein hat ihre Vor- und Nachteile. Es ist nicht nur eines der ältesten Aufputschmittel, sondern auch eines der wirksamsten und am besten verträglichen. Einerseits kann es die psychische und körperliche Leistung steigern, andererseits aber auch abhängig machen und eine Überdosis sogar zum Tod führen. Man kann sich ab und zu einen Kaffee oder Energy Drink gönnen, aber nicht täglich. Je seltener man Koffein konsumiert, desto stärker ist die Wirkung.

Ein Artikel von David Weber


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Über den Autor

d.weber

RJO-Student, Sportbegeisterter und Schlagzeuger

David Weber hat 2019 seine Allgemeine Hochschulreife erlang und studiert aktuell Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach.

Neben dem Fußball ist seine große Leidenschaft die Musik. Er spielt seit 11 Jahren Schlagzeug und ist seit 2019 in einer eigenen Band tätig.