Benedikt Toth – Zu Unrecht verurteilt?

Parkhausmordfall

München, 15.06.2006: Die 59-jährige Charlotte Böhringer ist gerade dabei ihre Wohnung zu verlassen, um wie jeden Montagabend zum Stammtisch ins Paulaner zu gehen. Dazu sollte es jedoch nicht kommen. Mit 24 Schlägen auf den Kopf wird sie in ihrer Wohnung getötet. Am 12.08.2008 wird Böhringers Neffe Benedikt Toth der Tat schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 12 Jahre später zweifeln seine Freunde und Familie seine Schuld immer noch an. Ist Benedikt Toth ein Mörder?

Warum ausgerechnet der eigene Neffe?

Für die Ermittler kam als Täter ausschließlich Benedikt Toth in Frage. Sein mutmaßliches Motiv: Angst seinen Job und den Anspruch auf sein Erbe zu verlieren. Toth arbeitete in der Parkgarage seiner Tante und finanzierte sich so angeblich sein Jura-Studium. Böhringer soll sich scheinbar immer einen Juristen im Hause gewünscht haben, der ihre Parkgarage eines Tages weiterführt. Als die Tante des damals 31-Jährigen erfuhr, dass er das erste Staatsexamen nicht bestanden und sein Studium abgebrochen hat, befürchtete Toth seine Enterbung.

Charlotte Böhringer: Die „Parkhaus- Millionärin“

Die gebürtige Ungarin stammte aus kleineren Verhältnissen und ist mit Teilen ihrer Verwandtschaft nach Bayern gezogen. Nach dem Tod ihres Mannes Oskar im Jahr 1995 erbte sie sein großes Vermögen. Dazu gehörte auch das Parkhaus in der Baaderstraße in München. Neben dem oberen Parkdeck bewohnte sie außerdem ein Penthouse.

Indizien gegen Benedikt Toth

Benedikt Toth sei, seiner eigenen Aussage zufolge, zum Tatzeitpunkt mit einer Erkältung zu Hause gewesen. Ein Alibi fehlt ihm jedoch. Bei einer nachträglichen 3D- Rekonstruktion des Tathergangs stellte sich heraus, dass der Täter vermutlich Rechtshänder gewesen sei. Toth ist aber Linkshänder. Nichtsdestotrotz lässt sich nicht beweisen, dass nicht auch ein Linkshänder mit der rechten Hand genug Kraft aufwenden kann, um jemanden zu erschlagen.

Des Weiteren konnten Toths DNA-Spuren am Umschlag des Testaments und am Jackett des Opfers gefunden werden. Allerdings sind diese Spuren kein richtiger Beweis für seine Täterschaft, da nicht festgestellt werden konnte wie alt die DNA-Spuren sind. Zudem stand Toth in regelmäßigem Kontakt zu seiner Tante. In Toths Geldbeutel waren zwei 500- Euro-Scheine zu finden. Diesen wiesen DNA- Material von Böhringer sowie Blutspuren auf. Es war jedoch nicht nachweisbar, um wessen Blut es sich handelte.

Die Tatwaffe war unauffindbar. Es sei lediglich denkbar, dass es sich um einen schweren Gegenstand wie einen Hammer oder ein Kombiwerkzeug handeln könnte.

Zusammenfassend lässt sich nur eines feststellen: Es gibt viele ungeklärte Fragen und kaum handfeste Antworten

Wie lautete Benedikt Toths Urteil?

Insgesamt 14 Indizien waren ausschlaggebend für die Verurteilung von Benedikt Toth: Lebenslange Freiheitstrafe wegen Mordes lautete das Urteil des Gerichts. Verbunden mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld war eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung auszuschließen. Toth sitzt nun seit bereits 13 Jahren in der Justizvollzugsanstalt Straubing und wird dort auch bis voraussichtlich mindestens 2028 in Haft bleiben.

Bürgerinitiative „ProBence“

Die Bürgerinitiative „ProBence“, die 2013 in München gegründet wurde, strebt eine Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen Toth an. Die Initiatoren von „ProBence“ sind Toths Freunde. Aufgrund von langjähriger Freundschaft zu ihm und einer scheinbar zweifelhaften Indizienlage sind sie von seiner Unschuld überzeugt. Als Kritikpunkt an Toths Urteil führen sie unter anderem an, dass sieben der 14 Belastungsindizien vom Gericht nicht als entlastend gewertet wurden. „ProBence“ zeigt wie kontrovers und umstritten der Fall Benedict Toth noch immer ist. Auch Jahre nach seiner Verurteilung versuchen seine Freunde und Angehörigen seine Unschuld zu beweisen.

„Dass Bence meine Schwägerin umgebracht hat, ist ausgeschlossen. Wir haben 20 Jahre mit ihm zusammengelebt. Er ist nicht so ein Typ, der seine Kräfte zeigt – Er ist nicht so erzogen worden – Er ist feiner, viel, viel feiner.“

– Bence Senior im Interview mit der AZ (Abendzeitung München)

Benedikt Toth „Fangemeinde“

Um die Geschichte von Benedikt Toth an die Öffentlichkeit zu bringen engagierte Familie Toth den bekannten PR- Berater Terry Swartzberg. Der Fernsehsender Phoenix und das ZDF berichteten über den Mord an Charlotte Böhringer. Auch auf Youtube kursieren diverse Videos zum Thema Benedikt Toth: Videos von Benefizkonzerten und Interviews mit Toths Freunden. Zur Folge hatte dies eine stetig steigende Anzahl an „Bence- Anhängern“, die an seine Unschuld glaubten.

Wiederaufnahme des Mordfalls Benedikt Toth

Bereits 2012 gab es einen Wiederaufnahmeantrag, der jedoch vom Landgericht Augsburg als unbegründet zurückgewiesen wurde. Im Jahr 2019 stellten Toths Anwälten einen neuen Wiederaufnahmeantrag. Die dafür benötigten Erkenntnisse und Indizien wurden zusammen mit Axel Petermann, dem ehemaligem Leiter der Bremer Mordkommission, erarbeitet. „Ich halte die Beweise gegen Bence nicht für stichhaltig“, so Axel Petermann. „Die Ermittler haben Fehler gemacht. Aus meiner Sicht basiert das Gerichtsurteil auf falschen Grundannahmen.“. Doch wie kommt der Profiler zu so einer Annahme?

Die DNA- Spuren Toths auf dem blutigen Blazer seiner Tante sollen durch Handschuhe verursacht worden sein. Bei den Spuren handele es sich aber gar nicht um Handschuhabdrücke. Die Textilstruktur des Sakkos war unterschiedlich stark blutdurchtränkt. Zudem belegt ein Experten- Gutachten das grundsätzlich auch Toths Bruder oder Mutter für die besagte DNA- Spur infrage kämen.

Trotz aller Bemühungen scheiterte die Revision vor dem Bundesverfassungsgericht. Benedikt Toth wird noch bis mindestens 2028 in Haft bleiben.

Die Frage, ob Benedikt Toth nun der Mörder von Charlotte Böhringer war, wird wohl immer ungeklärt bleiben. Fakt ist jedoch: Die „Bence- Anhänger“ werden weiterhin Gerechtigkeit fordern und sich für den Verurteilten einsetzen.

04.12.2020 – Benedikt Toth – Platz 13

21.12.2020 – Benedikt Toth – nicht geranked

Über den Autor

Dilara Ioakeimides

Dilara Ioakeimides machte im Frühjahr 2020 ihr Abitur und studiert seit Oktober 2020 Ressortjournalismus in Ansbach. Privat ist sie sehr musikinteressiert und spielt Gitarre und Klavier.