Die Probleme verfliegen nicht einfach

Kaum eröffnet – schon droht dem Flughafen Berlin-Brandenburg die Pleite!

Easyjet-Maschine beim Anflug auf den BER

Berlin/Schönefeld Erst vor 3 Wochen weihte Easyjet-Pilot Thomas Wilpert den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) mit seiner Landung ein, jetzt steht das milliardenschwere Projekt vor der Pleite. Der Luftverkehr ist während der zweiten Corona-Welle massiv eingebrochen. Der Airport steckt tief in der Krise.

Beschilderung in der Haupthalle

Die „Zweite Welle“ vermasselt dem BER seinen Start

Die Klimaaktivisten, die noch am Eröffnungstag vor dem neuen Hauptstadt-Flughafen demonstriert hatten, dürften die Bilder freuen: Keine überfüllten Hallen oder Schlangen vor den Check-In-Schaltern, stattdessen gähnende Leere. Lediglich vierstellige Besucherzahlen verbucht der BER täglich, während zur selben Zeit des Vorjahres noch rund 80.000 Gäste die Berliner Flughäfen nutzten.

Experten erwarten erst zwischen 2023 und 2027 wieder ein Passagieraufkommen wie im Vorjahr. In diesem Jahr ist es auf rund ein Zehntel geschrumpft. Die „zweite Corona-Welle“ hat verheerende Auswirkungen auf die gesamte Luftfahrtbranche. Die Betreiber des jetzt schon hochverschuldeten Airports diskutieren über eine vorübergehende Schließung des Terminals 5, also des ehemaligen Flughafens Schönefeld, und der südlichen Start- und Landebahn.

Besucher-Terrasse zieht zahlreiche Menschen an

Laut der Sprecherin der Flughafen-Gesellschaft FBB Sabine Deckwerth frequentierten bisher rund 50.000 Schaulustige allein im November die viel umworbene Besucher-Terrasse. „Die Resonanz auf das neue Terminal ist sehr positiv.“

Dabei sorgte die neue Aussichtsplattform schon kurz nach Eröffnung für Schlagzeilen: Weil wegen der Covid-19-Richtlinien nur 400 Personen im Raum gestattet waren, taten sich davor lange Schlangen ohne Mindestabstand auf.

Die geringe Nachfrage am Flugverkehr führt zu massiven Umsatzeinbußen

Es wirkt fast schon ironisch, dass nun in Europa die Infektionszahlen massiv steigen und den Flugverkehr fast schon lahm legen. In einigen Ländern herrschen Lockdowns oder Teil-Lockdowns, zudem ist die Nachfrage auch in Deutschland wegen der verschärften Corona-Regeln extrem niedrig.

Statistik zum Rückgang der Fluggäste

Entsprechend reduzieren Lufthansa und Easyjet die Kapazitäten, man rechnet 2021 mit nur rund 20 Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahr. Um die Umsatzeinbußen zu entschädigen, wird aktuell ein Hilfspaket von Bund und Ländern in Höhe von einer Milliarde Euro für die Luftfahrtbranche diskutiert.

Problemprojekt Flughafen Berlin-Brandenburg schluckt weiter Milliarden von Euros

Auf diese Hilfen ist der BER, der jetzt schon hoch verschuldet ist, dringlich angewiesen. „Wir haben ermittelt, dass wir ohne Corona bis 2023 einen Kapitalbedarf von 1,5 Milliarden Euro haben. Mit Corona sind das 1,8 Milliarden.“ äußerte sich Wirtschaftsprüfer Karl-Heinz Wolf gegenüber der ARD.

Damit bleibt der BER das finanzielle Sorgenkind schlechthin. Wegen zahlreichen Problemen bei der Umsetzung verdreifachten sich die Kosten für den Bau von zwei auf knapp sechs Millionen Euro. Die FBB, die wegen der mangelnden finanziellen Möglichkeiten 2004 beauftragt wurde, musste nach und nach zahlreiche Fehlplanungen ausbügeln.

Zahlreiche Ungenauigkeiten verzögerten Eröffnung

Zu kurze Rolltreppen, eine zu kurze Gepäckausgabe, die defekte Entrauchungsanlage, zu schwere Ventilatoren und fehlerhafte Brandschutzwände trieben nicht nur die Kosten in die Höhe, sondern verzögerten auch die für 2012 geplante Fertigstellung um weitere 8 Jahre.

Hier geht’s zum virtuellen Rundgang durch den Berliner Flughafen: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/flughafen-ber-in-3d/

In der Zwischenzeit wurden die juristischen Anforderungen an den Schallschutz für die Anwohner verschärft, wodurch das Projekt eine weitere Milliarde Euro teurer wurde. Jetzt, nachdem all diese Hürden überwunden worden sind, hat die FBB-Geschäftsführung mit Blick auf die Auswirkungen der Pandemie einen Finanzbedarf für das kommende Jahr von bis zu 660 Millionen Euro ermittelt, der in erster Linie von der Bundesrepublik und den Bundesländern Berlin und Brandenburg, die allesamt Anteile am Flughafen Berlin-Brandenburg halten, beglichen werden muss, um die Pleite zu verhindern.

Corona-Krise muss so schnell wie möglich beendet werden

Enrico Rümker, Sekretär der Gewerkschaft Verdi, weiß schon seit Längerem, dass dieses Jahr ein Krisenjahr ist. „Aber im Sommer haben wir nicht damit gerechnet, dass es noch einmal so schlimm wird“. Nun steht bei einigen Fluggesellschaften und Bodendienstleistern selbst wieder Kurzarbeit im Raum.

Enrico Rümke

 „Eine Erholung des Luftverkehrs wird erst stattfinden, wenn der neue Impfstoff verfügbar ist und Wirkung zeigt“, sagt Deckwerth. Die große Hoffnung liegt also auf der Massenproduktion eines Impfstoffs, der vermutlich ab Frühjahr 2021 zugelassen wird.

Im Sommer haben wir nicht damit gerechnet, dass es noch einmal so schlimm wird

Enrico Rümke, Sekretär Gewerkschaft Verdi

Was, wenn die Pleite des Flughafen Berlin-Brandenburg vermieden werden kann?

Danach könnte es mit dem BER endlich bergauf gehen. Denn die jährliche Kapazität von 40 Millionen Menschen könnte durch eine Erweiterung um zwei Terminals sogar auf 55 Millionen steigen. Vor der Coronakrise wurden auf den Flughäfen Berlins, die immer größeren Andrang erfuhren, jährlich rund 34 Millionen Menschen transportiert.

Der BER aus der Vogelperspektive

Nach dem Automobilkonzern Tesla haben schon mehrere Unternehmen ihr Interesse an Niederlassungen in der Region bekannt gegeben, außerdem steigt die Nachfrage für Immobilien im Südosten Berlins. Die neu entstehende Airport-City rund um den BER könnte für die Bundesländer Berlin und Brandenburg wirtschaftlich sehr ertragreich werden. Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass die finanziellen Probleme irgendwann nach der Pandemie endlich ein Ende nehmen könnten und der Problemflughafen irgendwann auf eigenen Beinen stehen kann.


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7.12.20 – Nicht Aufgeführt

21.12.20 – Nicht Aufgeführt

Über den Autor

d.weber

RJO-Student, Sportbegeisterter und Schlagzeuger

David Weber hat 2019 seine Allgemeine Hochschulreife erlang und studiert aktuell Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach.

Neben dem Fußball ist seine große Leidenschaft die Musik. Er spielt seit 11 Jahren Schlagzeug und ist seit 2019 in einer eigenen Band tätig.