Depression – und jetzt? (Version 3)

Wie eine psychische Störung Deutschlands Köpfe krank macht

Sina ist müde. Sie ist eigentlich immer müde. Sonst war das nie so. „Sonst“, das heißt, vor ihrer ersten Depression. Sina lächelt nicht mehr. Wenn ihre Freunde etwas unternehmen wollen, muss sie sich zwingen, mitzugehen. Dabei will sie doch eigentlich Spaß haben. Solche Tage sind aber noch verhältnismäßig gute Tage. An den meisten Tagen schafft sie es nicht einmal, aus ihrem Bett aufzustehen. Die Depression strahlt von ihrem Kopf in ihren ganzen Körper. Alles fühlt sich irgendwie träge an. Und nichtig. Es ist so, als würde sie nur grau sehen und keine Farben. Alles hat seinen Glanz verloren, für Sina.

Für Außenstehende ist das schwer zu verstehen. Jedoch leiden laut der Deutschen Depressionshilfe hierzulande 25% der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben an einer Depression. Von den Männern sind es weniger, nur jeder achte. Doch was bedeutet dieses Wort „Depression“ überhaupt? Und wie äußert es sich?

Volkskrankheit Depression

Mittlerweile spricht man nicht mehr nur scherzhaft von Depressionen als Volkskrankheit. Die psychische Störung ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Depressionen sind heilbar. Jedoch ist das Risiko, mehrere sogenannte depressive Episoden im Laufe des Lebens zu haben, sehr hoch. So berichtet das Max-Planck-Institut.

Man könnte meinen, bei so vielen Fällen sei das Volk aufgeklärt über die Krankheit. Dem ist leider überhaupt nicht so. Dies lässt sich alleine an den deutschen Schulen beobachten. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler leiden laut einer DAK-Studie an depressiven Verstimmungen. Im Lehrplan taucht das Thema trotzdem nicht auf. 

Bei all den Umständen ist es für Betroffene oft am schwierigsten über ihre Krankheit zu sprechen. Überhaupt zu wissen, was sich in ihrem Kopf gerade abspielt. Das stellt für viele eine Schwierigkeit dar.

Was ist eine Depression?

Wikipedia zufolge sind typische Symptome dieser psychischen Erkrankung „gedrückte Stimmung, Grübeln, das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und ein verminderter Antrieb.“ 

Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt: „Viele Betroffene klagen […] über allgemeinen Leistungsabfall, […] körperliche Beschwerden, […] Appetitverlust […] Schlafstörungen, […] Freude- und Interessenverlust, allgemeine Lustlosigkeit und Entscheidungsunfähigkeit. Manche beklagen eher Gefühle von Gleichgültigkeit als eine besondere Traurigkeit, einige fühlen sich auch innerlich unruhig und getrieben und leiden unter Ängsten.“  Klingt zunächst einfach. Eben eine typische Krankheit. 

So wie viele andere Krankheiten, mit klassischen Symptomen, wie sie im Lehrbuch stehen. Man geht zu einem Therapeuten, bekommt Antidepressiva und dann „geht das schon wieder“. Kategorisierbar, heilbar, easy peasy. 

Depressionen haben viele Gesichter

Bedauerlicherweise ist die leichte Einstufung nur die halbe Wahrheit. Es ist wahr, dass Depressionen feste Symptome besitzen. Aber es ist genauso wahr, dass jede Depression für jeden Menschen unterschiedliche Symptome zeigt. Die einen sind gefühlskalt, die anderen überemotional. Die einen schaffen es noch, ihrem Alltag nachzugehen und die anderen schaffen es nicht einmal, morgens aufzustehen. 

Ebenso bedauerlich ist die Tatsache, dass die wenigsten Betroffenen nur einmal in ihrem Leben eine depressive Episode durchstehen müssen. Laut der Psychotherapeuten Kammer NRW tritt eine Depression nämlich in den meisten Fällen wiederholt auf. Viele Menschen verfolgt die Depression ihr ganzes Leben lang. 

Bedeutet eine Depression gleich Selbstmord?

In dem Augenblick, in dem ein Mensch den Sinn und den Wert des Lebens bezweifelt, ist er krank.

Sigmund Freud

So wie es Freud beschreibt, geht es vielen Depressiven. Sie haben keine Freude mehr im Leben. Sie sehen keine Regenbögen mehr, nur noch den Regen. Leider ist dieses Gefühl der Leere und Negativität für manche Menschen vorherrschend. So vorherrschend, dass sie nicht mehr leben wollen.

Zum Glück geht es bei weitem nicht allen an einer Depression erkrankten so. Ein weitverbreiteter Irrglaube ist nämlich, dass Suizidalität zu einer Depression gehört. Es ist in der Tat wahr, dass Selbstmordgedanken ein häufig auftretendes Symptom sind, so die Deutsche Depressionshilfe. Sie machen die Krankheit unter anderem zu einer lebensgefährlichen Krankheit. 

Allerdings gilt hier ebenfalls wieder: Nicht jede Depression ist gleich. Viele depressive Menschen wollen nicht sterben und haben auch keine Selbstmordgedanken. Es ist natürlich trotzdem Vorsicht geboten. Durch Suizid sterben in Deutschland mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle und Drogen zusammen.

Alarmzeichen laut der Deutschen Depressionshilfe:

Die gute Nachricht

Nun zum Positiven: Menschen, die an einer Depression leiden, sind keineswegs allein. Es gibt zahlreiche Wege, sich Hilfe zu suchen. Sowohl im Internet unter https://www.deutsche-depressionshilfe.de/, als auch telefonisch. Hier gibt es viele Nummern, zum Beispiel 0800 / 11 10 111 oder das Kinder- und Jugendtelefon unter der Nummer 0800 / 11 10 333.

Hast Du das Gefühl, die oben genannten Symptome treffen auf Dich zu? Der einfachste Weg ist zunächst einmal mit Deinen Freunden oder anderen Dir vertrauten Menschen zu sprechen. Bleibe mit Deinen Sorgen auf keinen Fall allein. 

Über den Autor

Lea Sirois

20 Jahre alt - Studentin an der FH Ansbach im Bereich Ressortjournalismus - Leidenschaftliche Dichterin