Die kapitalistische Konsumgesellschaft


Wie unser Konsumgesellschaft unserer Umwelt nachhaltig schadet

Immer wieder wird derzeit in den Medien über die verschwenderische kapitalistische Konsumgesellschaft und deren negative Auswirkungen auf die Umwelt berichtet. Doch was ist eigentlich der Kapitalismus? Was hat er mit Konsum zu tun?
Und wieso steht die kapitalistische Konsumgesellschaft derzeit so in der Kritik?

Der Kapitalismus vertritt die Werte einer Gesellschaftsordnung, welche auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln beruht. Produktion und Konsum steuert außerdem der Markt. Weiterhin vertritt der Kapitalismus die Idee, dass alle Menschen im Gewinnstreben gleich sind.
Eine Konsumgesellschaft ist eine Gesellschaft, in der der Konsum von Waren und Dienstleistungen einen hohen Stellenwert einnimmt. Sie zeichnet sich durch eine hohe Anzahl von erwerblichen Gütern aus, zudem sind käufliche Produkte meist standardisiert. Wenige große Unternehmen halten in Konsumgesellschaften die Marktmacht und geben sogenannte Trends vor, nach denen die Gesellschaft konsumiert.

Die Wiedervereinigung Deutschlands als Startschuss für die kapitalistische Konsumgesellschaft

Im Jahre 1989 lag das damals geteilte Deutschland im Umbruch. Im November wurde bei Unruhen versehentlich die Wiedervereinigung bekanntgegeben und somit vereinigten sich die sozialistische Deutsche Demokratische Republik und die kapitalistische Bundesrepublik Deutschland zur ganzheitlich kapitalistischen heutigen BRD. Der Startschuss für unsere heutige Gesellschaft. https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Wiedervereinigung

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Der Kapitalismus wird derzeit oft als Verschwendungsökonomie bezeichnet, wobei seine Werte nach Max Weber, wie Fleiß, Sparsamkeit und weltliche Askese, mittlerweile veraltet sind. Weiterhin gibt es eine Eskalation des Verkaufs, auch genannt Warenüberproduktion. Durch das digitale Zeitalter ist es den Menschen möglich, immer schneller zu konsumieren. Diese Entwicklung führte zu zunehmendem Massenkonsum.

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Bedürfnisse werden zu Begehrnissen

Die derzeitige Entwicklungsstufe des Kapitalismus unterscheidet sich zu früheren durch das mittlerweile sehr hohe allgemeine Lebensniveau. Der Bedarf an banalen Konsumgütern wie Toilettenpapier oder Hygieneartikeln ist grundsätzlich gedeckt.
Der Fokus liegt auf den Begehrnissen der Menschen. Das sind Luxusgüter, die in der Gesellschaft hoch angesehen sind. Durch ihren Besitz erlangt man ein gewisses Ansehen. Begehrnisse können das neueste Smartphone, die exklusive Fitnessausstattung sein.
Bedürfnisse kann man stillen. Begehrnisse nicht.
Die Transformation der Bedürfnisse des Menschen passt sich an den stets steigenden Wirtschaftswachstum der kapitalistischen Länder an.
Eine Leistungskultur kann somit nur bestehen, wenn es auch die entsprechende Konsumkultur gibt, denn ein Deutscher besitzt beispielsweise durchschnittlich 10.000 Dinge, was auch das Lustprinzip unterstreicht.

Der homo oeconomicus im Kapitalismus

Man geht hierbei aus vom sogenannten homo oeconomicus aus. Dieser strebt nach Reichtum und schafft durch diesen Wachstum. Der Wachstum ruft gesellschaftlichen Wohlstand hervor.
Dieses Streben nach Reichtum ist das Grundprinzip wirtschaftlichen Handelns. Jedoch ist laut Ernst Fehr, einem Ökonomen aus Zürich, die Natur des Menschen geprägt von Ungeduld und Willensschwäche. Somit verbraucht der Mensch mehr, als nachwächst. Ökologische Fußabdrücke quantifizieren diesen Verbrauch. Ein US-Amerikaner hat einen ökologischen Fußabdruck von zehn Hektar. Würden alle Menschen der Erde so konsumieren wie der US-Amerikaner, bräuchte man fünf Erdbälle, um diese Anforderungen zu erfüllen. Hier finden Sie mehr Informationen zum homo oeconomicus: https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_oeconomicus

Lustprinzip vs Realitätsprinzip der Konsumgesellschaft

Was sind nun die Folgen dieses exzessiven Massenkonsums? Der Klimawandel schreitet voran und die Natur dadurch zerstört. In Bangladesh oder China leidet das Personal unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen.
Weitere wesentliche Probleme des traditionellen Kapitalismus sind die soziale Ungleichheit, wenige Arbeitsplätze und große Monopolbildungen. Diese beschränken die Wettbewerbsmöglichkeiten.

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Nachhaltigkeit fordert also ein gesenktes Konsumverhalten. Auch das Verbrauchsniveau sollte sinken. Jedoch hat sich bisher das kollektive und individuelle Verbraucherverhalten nur langsam und sporadisch geändert. Der Mensch handelt wider besseren Wissens. Er zeigt Desinteresse an nachhaltigem Kaufverhalten, obwohl heute bekannt ist, dass sich das Massenkonsumverhalten negativ auf Schwellenländer, die Natur sowie auf die Umwelt auswirkt.
Das Lustprinzip sticht hier das Realitätsprinzip aus, denn Hochkonsumkulturen wie unter anderem Deutschland beruhen auf einem kollektiven Akt der Verdrängung. Es wird trotz bestehender Informationen zu den Missständen weiterhin regelmäßig konsumiert.

No Planet B der Konsumgesellschaft

Es heißt, wir müssen unseren Planeten retten. Nicht nur FridaysForFuture setzen sich für den Umweltschutz ein. Wir müssen eine Wahl treffen. Doch haben wir überhaupt eine, wenn es um unsere Natur und deren Erhaltung geht? Denn einen Plan B gibt es nicht. Was muss sich ändern, um langfristig nachhaltig zu leben?

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Internationale Vereinbarungen, die schädliche Formen von Produktion verbieten, und damit sicherstellen, dass Beschränkungen gleichermaßen für Arme und Reiche gelten, sind essentiell. Autos, die die Industrie nur bis zu einer bestimmten Motorengröße produziert, sind nur ein Beispiel. So werden gefährliche Chemikalien gleich am Anfang des Produktionsprozesses verboten. Auch sollten Produktionen von Gütern, deren Herstellung und Verbrauch den Klimawandel mit verantworten, verboten oder eingeschränkt werden.

Im Einklang mit der Natur – Kapitalismus adé

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Da der Wohlstand momentan linear an den Ressourcenverbrauch gekoppelt ist, sollte man den Ressourcenverbrauch abkoppeln. Er könnte dann sinken, während der Wohlstand weiter wachsen würde. Hier spricht man von einer Analogie zwischen Ressourcenproduktivität und Arbeitsproduktivität. Um dies möglich zu machen, müssten Ressourcen und Energie linear zur gesteigerten Arbeitsleistung immer teurer oder effizienter werden, anstatt umgekehrt. So würden auch energiearme Autos besser auf dem Markt ankommen, Investoren könnten mehr auf die Energieeffizienz achten und investieren.
Eine weitere Lösung wäre zu versuchen, wieder produktiv zu konsumieren, und somit wieder in das Gespür für die Produktion der Produkte, die wir konsumieren, zu kommen.
Abschließend wäre auch das Leben mit weniger Verbrauch von Wasser, Energie und Mineralien zu lernen, ein Fortschritt.

Schon Philosophen wie Kant und Rousseau erkannten, dass Menschen nicht alleinig durch den Konsum und dem Erfüllen ihrer Begehrnisse glücklich werden. Vielmehr liegt das Glück in den Faktoren, die zu einem harmonischen Beisammensein in einer Gesellschaft beitragen. Dies sollten wir bedenken, bevor wir uns die nächste Jeans bei NKD nebenan kaufen.

22.12.2020 – die kapitalistische Konsumgesellschaft – nicht aufgeführt

Über den Autor

Irmeli Pohl

Irmeli Pohl studiert Ressortjournalismus im Bachelor an der Hochschule Ansbach. Sie hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau sowie einen Betriebswirt.