Die Kunstfigur David Bowie und seine Wandelbarkeit

„Chamäleon des Pops“


Der Lieblingsdesigner der Kunstfigur David Bowie ist tot

Das traurige Ereignis seines Todes lässt an die Kunstfigur David Bowie zurück erinnern – Kansai Yamamoto war laut „Vogue“ David Bowies Lieblingsdesigner. Eine langlebige Freundschaft verband die beiden miteinander.

Der japanische Modedesigner Kansai Yamamoto starb am 21. Juli dieses Jahres mit 76 Jahren an Leukämie. Seine Tochter veröffentlichte dies auf Instagram.

Yamamato führte eine neue, geschlechtsneutrale Art von Kleidung ein. Er war für seinen unvergleichlichen Umgang mit Silhouetten, dem Einsatz von Farben und Print und seiner exzentrischen Ästhetik bekannt.

Bowies und Yamamotos enge Zusammenarbeit als Symbiose

Der Japaner Yamamoto hatte großen Einfluss auf Bowies Musikinszenierungen. Vor allem, was seine legendäre „Ziggy Stardust“ – Ära betrifft. Dazu später mehr. 

Die radikalen Kostüme des Modedesigners machten Bowie zu dem, was er war. Gleichzeitig wurden durch Bowies Präsentation Yamamotos futuristische Looks, wie der Vinyl-Overall mit Ballonhosen zu Ikonen. Beide profitierten voneinander. 

Wandelbarkeit der Kunstfigur David Bowie

David Bowie erfand sich immer wieder neu. Dies brachte ihm u.a. den Spitznamen „Chamäleon des Pops“ ein. Dem stimmte er jedoch nicht völlig zu, da er sich nicht der Umgebung angepasst habe, wie es ein Chamäleon tut. Der eigentliche Sinn dieses Spitznamens bleibt aber erhalten, nämlich seine kreative Wandelbarkeit.
Seine Kunstfigur „Ziggy Stardust“ erzielte wohl die stärkste kulturelle Wirkung und Aufruhr.

Kunstfigur Ziggy Stardust

Anfang der Siebziger Jahre wandte sich Bowie dem Glamrock zu, dessen Entwicklung dann in seiner schillernden Alter Ego Figur Ziggy Stardust gipfelte. 

Er war fasziniert von der Ästhetik der Transvestiten und der homosexuellen Avantgarde. Besonders in der New Yorker Subkultur. Bei Liveshows trug er u.a. bunte Federboas, Superman-artige Ganzkörper-Spaceanzüge und unglaublich hohe Plateauschuhe. Sein androgynes Auftreten, seine Spielerei mit dem Sexus und das Auflösen der Geschlechterrollen sorgten für viel Aufmerksamkeit und Aufruhr.

Gerüchte und Skandale machten die Runde, wie beispielsweise angebliche Orgien mit Mick Jagger und Iggy Pop. Sein anschließendes Outing als Homosexueller bildete den Höhepunkt des Ganzen. Später widerrief er seine Aussagen und äußerte sich über die Jahre ambivalent zu seiner sexuellen Orientierung. 

Mit seiner Kunstfigur revolutionierte Bowie nicht nur das Glamrock-Genre, sondern erfand auch Queer Pop. Zahlreiche weltbekannte Bands und Sänger wurden davon beeinflusst. Bowie war so dabei behilflich, sexuelle Mehrdeutigkeit auch im Mainstream zu etablieren.

Mit dem gleichnamigen Konzeptalbum holte Bowie außerdem die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gruppen ab und hatte großen kommerziellen Erfolg. 

Doch ein Jahr nach der Geburt von Ziggy Stardust ließ Bowie ihn schon sterben, woraufhin später die Figur „Thin White Duke“ folgte.

Kunstfigur Thin White Duke

1976 verwandelte sich Bowie in die Kunstfigur „Thin White Duke“. Dies ist auf sein Album „Station to Station“ zurückzuführen. Der Titelsong enthält die Zeile „The return of the Thin White Duke“. Seine damalige Optik bestand aus einem weißen Hemd, einer schwarzen Hose und Weste und streng zurückgekämmten Haaren. Es war eine Figur, die Unterkühlung und Distanz ausstrahlte.

In dieser Zeit geriet er in Verdacht faschistischer Gesinnung zu sein. Gründe dafür waren u.a. der selbst ausgewählte Titel „Duke“, Aussagen von ihm in Interviews die in diese Richtung interpretiert werden konnten und eine heikle Geste während eines Live-Auftritts. 

Diese Zeit war eine der dunkelsten seines Lebens, denn sie war geprägt von Drogen. Er distanzierte sich später von dieser Phase und entschuldigte die zweideutigen Aussagen mit erheblichem Kokainkonsum. Untersuchungen zu Folge sei er auch tatsächlich kein Faschist gewesen.

Zeit in der „Welthauptstadt des Heroins“

In genau dieser Zeit, 1976 – 1978, bewohnte er eine Sieben-Zimmer-Altbauwohnung in der Hauptstraße 155 im West-Berliner Stadtteil Schöneberg. Hier machte er in der ersten Zeit einen Entzug von harten Drogen. Er nannte Berlin innerhalb einer Reportage von Arte die „Welthauptstadt des Heroins“. 

Hier entstand die sogenannte Berlin-Trilogie: Die Alben „Low“, „Heroes“ und „Lodger“. Im Album „Heroes“ befindet sich eines seiner bekanntesten Lieder. Das gleichnamige Werk handelt von zwei Liebenden, die sich an der Berliner Mauer küssen, während Grenzsoldaten auf sie schießen. 

Erfolge der Kunstfigur David Bowie in den 1980er Jahren

1981 hatte er einen Cameo-Auftritt in dem deutschen Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, nämlich ein Konzert in der Deutschlandhalle. Die Filmmusik bestand ausschließlich aus seinen Liedern, u.a. „Heroes“. 

Im selben Jahr produzierte er zusammen mit „Queen“ den Nummer-eins-Hit „Under Pressure“.

1982 spielte er im Film „Begierde“ mit und das zweite Best-of-Album „ChangesTwoBowie“ erschien.

1983 erschien das Album „Let’s Dance“. Singles aus diesem Album waren ebenso erfolgreich, wie weltberühmte Produktionen von Michael Jackson.

David Bowie experimentierte jetzt nicht mehr mit vergleichsweise außergewöhnlicher Musik, sondern stand auch für publikumsfreundliche Popmusik.

21.12.2020 – Kunstfigur David Bowie – Platz 4

Über den Autor

Johanna Schumm

Nürnberg
19 Jahre alt