Infantino plant Klub-WM Reform

Ein neuer, alter Wettbewerb wird 2021 Einzug in die Fußballwelt finden: Infantino plant die Klub-WM Reform.

Eine Englische Woche nach der anderen, Pokal, Champions League, zusätzlich Trainings, Pressetermine, Werbetouren auf der ganzen Welt. Die europäischen Topmannschaften haben zweifelslos eine vollgepackte Agenda, nicht zuletzt durch den stressigen Corona-Spielplan. Dennoch: FIFA Präsident Gianni Infantino plant die Klub-WM Reform.

 Wenn die Glühweinbuden Deutschlands zur Weihnachtszeit ihre Rekordumsätze einfahren, sollen die Sieger der internationalen Wettbewerbe der Fußballkonföderationen CAF (Afrika), AFC (Asien), UEFA (Europa), CONCACAF (Nord-, Mittelamerika, Karibik), OFC (Ozeanien) und CONMEBOL (Südamerika) den Sieger der Klub WM ausspielen.

Seit 2016 FIFA Präsident: Gianni Infantino

Bisher genoss der Ausscheidungskampf nur wenig internationales Ansehen. Das soll sich jetzt ändern. FIFA Präsident Gianni Infantino plant die Klubweltmeisterschaft umzukrempeln.

Gescheiterter Widerstand

Infantino stieß bei seinen Ausführungen zum neuen Modell zunächst auf Sympathie bei den Konföderationen, lediglich die UEFA wehrte sich gegen die Reform. Die europäische Konföderation gab auf der Sitzung des FIFA-Councils in Miami bekannt, dass keines der Teams unter ihrem Dach „an so einem Wettbewerb teilnehmen“ würde. Trotzdem plant Infantino weiter an der Klub-WM Reform.

Infantino hingegen bezeichnet das Pilotprojekt als „Meilenstein in der Geschichte der FIFA.“ Auch das Androhen eines Boykotts seitens der europäischen Abgeordneten war nicht zielführend.

Infantinos Plan zur Klub-WM Reform setzt sich durch

 Letztendlich gelang es dem FIFA-Präsident also doch die Reform gegen die zahlenmäßig unterlegenen Vertreter der UEFA durchzusetzen. Ein Grund für die schnelle Zustimmung von CAF und Co. war finanziellen Ursprungs. Unglaubliche 50 Millionen US-Dollar sollen die Vereine bekommen. Und dafür müssen sie nur antreten. Gewinnt ein Team die neue Klub-WM, die zum ersten Mal 2021 ausgetragen werden soll, wartet ein weiterer enormer Geldbetrag von 115 Millionen Dollar.

Der FC Bayern München ist Stammgast in der Champions League. Auch in der Klub-WM wird der FCB dabei sein und Millionen einstreichen.

Verglichen mit den Antrittsprämien für beispielsweise den FC Bayern München in der Champions League Saison 2019/2020 in Höhe von 15,25 Millionen Euro ist die Prämie der Klubweltmeisterschaft ein regelrechter Geldregen für die Teilnehmer.

Doch welchen Klubs ist die Teilnahme und der damit einhergehende Geldsegen gestattet? Neben acht Vereinen aus Europa treten drei Vereine aus Asien, Afrika und dem Gebiet Nord-, Mittelamerika und der Karibik an. Sechs Teilnehmer werden von der Südamerikanischen Konföderation gestellt, wohingegen nur ein Teilnehmer aus Ozeanien entsandt wird.

Die UEFA plant neben den Champions League Siegern von 2018, 2019, 2020, und 2021, die vier besten Kandidaten der UEFA Klubrangliste zu entsenden. Die deutsche Vertretung ist, nach dem Champions League Triumph, der FC Bayern.

 Zusätzlich gilt nach einer Einschränkung, dass nur maximal zwei Vereine aus einem Land teilnehmen können. Im neuen Spielmodus sollen drei Mannschaften in acht Gruppen gegeneinander spielen und dann in der anschließenden K.O-Runde den FIFA Klubweltmeister ermitteln.

Die Reichen werden reicher

Aber ist es in Zeiten, in denen Ablösesummen von 20 Millionen als Schnäppchen gelten und vor allem kleine Vereine durch die Pandemie gebeutelt sind, vertretbar den Reichen des Fußballkosmos noch mehr Geld in die Tasche zu spülen?

Die Teams der Nationalen Ligen, die weder die Einnahmen aus Europa Pokal oder Champions League einstreichen können, dürften bei einer weiteren finanziellen Spritze für die Matadoren ihrer Spielklassen wenig erfreut sein. Folglich stellt sich die Frage nach der Fairness bei einem Zuschuss für die großen Vereine, die für diese Prämie ja im Endeffekt nur antreten müssen. Nicht einmal der Turniersieg ist nötig, um die ersten 50 Millionen einzukassieren.

Hansi Flicks FC Bayern ist 2020 als Champions League Sieger die Messlatte des Fußballs.

Betrachtet man die Vergabe der Fernseheinnahmen in der vergangenen Saison 2019/2020, verzeichnet der FC Bayern 67,918 Millionen Euro. Bezogen auf den sportlichen Erfolg mag die Verteilung gerecht sein, jedoch erscheinen weitere Millionen auf dem Festgeldkonto des Rekordmeisters als unfair, wenn man bedenkt, dass die Profis des FC Bayern nicht erst die Fußballschuhe schnüren zu brauchen, um ihren Klub ein bisschen wohlhabender zu machen. Die reichen Vereine der Fußballwelt werden durch die Reform nur noch reicher.  

Wo bleibt die Fußballromantik?

Ausgetragen wird dieser neue Modus zum ersten Mal in China. Na, klar! Dem Fußballland Nummer eins. Nach dem Beschluss, die WM 2022 zur Weihnachtszeit in der Wüste von Katar auszutragen, folgt jetzt der nächste Nackenschlag für die Verfechter des romantischen Fußballs.

Klub-WM in Asien, WM in Katar.

Dass chinesische oder japanische Fußballklubs europäische Topspieler mit horrenden Gehältern nach Asien lotsen ist keine Seltenheit mehr. Und wenn immer mehr Vereine den finanziell äußerst lukrativen chinesischen Markt während den Trainingslagern und auf Marketingtouren für sich entdecken, ist das ebenfalls keine Ausnahme im Fußballgeschäft des 21. Jahrhunderts.

Nach dem jetzt auch noch der sowieso schon unromantische Wettbewerb der Klub WM in China stattfindet, ist man fast versucht vom Outsourcing des europäischen Fußballs zu sprechen. Warum finden Wettbewerbe wie die Klubweltmeisterschaft nicht in England, Frankreich oder gar Deutschland statt?

Stress, Stress, Stress: Infantino plant die Klub-WM Reform

In den vergangenen Jahren hat sich der Fußball ­– zum Vorteil der Attraktivität der Sportart – immer mehr intensiviert. National sowie International, ob im Verein oder in der Nationalmannschaft, das Tempo wird immer höher, die Zweikämpfe stetig härter.

In vielen Wohnzimmern wird die Klub WM nicht laufen: zu unwichtig.

 Damit nicht genug, sorgt der Reisestress an An- und Abreisetagen für eine zusätzliche Belastung. Ist es notwendig den Spielern einen solches Turnier zuzumuten? Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Turnier nicht im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung stet.  Ob sich das ändert und die Klubweltmeisterschaft Champions League Charakter bekommt, wird sich zeigen. Bis dahin müssen sich Fußballromantiker damit abfinden, dass ein finanziell unfairer, künstlicher Wettbewerb irgendwo zwischen Pokal, Liga und Champions League gequetscht wird.

Bildnachweis:

„File:Gianni Infantino 2011.jpg“ vonPiotr Drabik Lizenz: CC BY 2.0
CC Pixabay
„File:Hans-Dieter Flick, Germany national football team (03).jpg“ von Steindy (talk) Lizenz: CC BY-SA 3.0
„Photo in front of a signboard of Qatar 2022 FIFA World Cup“ von marcoverch Lizenz: CC BY 2.0
„Bier trinken und Fußball auf dem Fernseher schauen“ von marcoverch Lizenz:  CC BY 2.0

11.12.20 – Infantino plant Klub-WM Reform – nicht gefunden
20.12.20 – Infantino plant Klub-WM Reform – nicht gefunden

Über den Autor

Christoph Heilinglechner

Christoph Heilinglechner kommt aus dem oberbayerischen 300-Einwohner-Ort Walchensee und hat sein Abitur in Garmisch-Partenkirchen absolviert.
Jetzt studiert er Ressortjournalismus in Ansbach.