Feminismus in Frauenzeitschriften? Von wegen!

So verpönen Cosmopolitan und Co. ihre Leserinnen

Außen hui, innen pfui: Feminismus in Frauenzeitschriften ist mehr Schein als Sein.
Außen hui, innen pfui: Feminismus in Frauenzeitschriften ist mehr Schein als Sein.

‚Female empowerment‘ und #supporther klatscht es mir entgegen, als ich mich durch die Website der Cosmopolitan klicke. Mit Schlagzeilen wie: „Warum ein aktuelles Spiegel-Interview Geschlechter-Klischees befeuert“, möchte die Redaktion zeigen: Feminismus in Frauenzeitschriften ist ein absolutes ‚must have‘. Dass die Fachärztin Sandra Ciesek im Interview als „Quotenfrau“ und „Neue an Drostens Seite“ bezeichnet wird, sei ein Zeichen für Geschlechterdiskriminierung. So zumindest die Aussage der Cosmo-Kolumnistin Elisa.

Sie und die anderen Meeedels der Redaktion wuppen den Emanzipationsauftrag ja eh viel besser, stimmt´s? Na ja, … nö. Zwischen den Taschen-Trends für 2021 (die sogenannten ‚It-Bags‘) und dem ‚Black Latte‘ (ein ‚In-Getränk‘, ohne das mein Leben anscheinend komplett sinnlos ist), suche ich verzweifelt nach Feminismus in der Frauenzeitschrift.

Stattdessen endet alles im patriarchalischen, quietschpinken Chaos…

Früher war mehr Feminismus in Frauenzeitschriften

Tatsächlich ist Feminismus in Frauenzeitschriften nicht schon immer so selten wie heute. Die Geschichte der Frauenmagazine reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. The Ladies‘ Mercury, erstmals 1693 in London veröffentlicht, gilt als eines der ältesten Magazine für Frauen. Der Aufbau ist einfach: ein Blatt, zweispaltig, vorne und hinten bedruckt, keine Bilder. Leserinnen schicken Fragen ein, die dann von einer Gruppe gebildeter Männer beantwortet werden. Es geht um Ehe, Gefühlschaos, Sexualität. Die Ratschläge sind für damalige Verhältnisse auf einem sehr liberalen Niveau.

Dass ausschließlich Männer Frauenzeitschriften verlegen, ändert sich 1782 mit Pomona für Teutschlands Töchter. Herausgeberin und Autorin Sophie de LaRoche verzichtet auf Themen wie Mode und Schönheit. Sie schreibt monatlich über Gesundheit, Ernährung, Kunst, gibt Lektüre-Empfehlungen und priorisiert stets die weibliche Weiterbildung. Feminismus in Frauenzeitschriften ist also keine moderne Erfindung, im Gegenteil.

Opium für die Mutti

Leider sind emanzipierte Magazine aber schon damals rar, können sich auf dem Markt kaum behaupten. Erfolgreiche Frauenzeitschriften fördern das jeweilige Rollenbild eher, als sich dagegen aufzulehnen. Intelligente Texte mit Tiefgang sind selten. Es häufen sich die Artikel über Schnittmuster, Rezepte, Kindererziehung.

Hauptsache keine Politik – zumindest nicht die Realität. So schreibt The Lady’s Magazine, während der Französischen Revolution, dass Frankreich gegen die britische Seemacht keine Chance hätte. Die Männer hingegen lesen in ihren Zeitschriften, dass Europa in großer Gefahr schwebe. Doch das soll frau nicht erfahren. Warum auch? Ihre alleinige Aufgabe ist es, für Mann und Kinder einen Ort der Harmonie zu schaffen. Und der würde gefährdet, wenn Mutti wegen Frankreich durchdreht.

Kundenverarsche auf Hochglanzpapier

Frauenmagazine geben ihren Leserinnen das Gefühl, eine bittere Enttäuschung zu sein.

Feminismus in Frauenzeitschriften: Noch heute eine Seltenheit.
Feminismus in Frauenzeitschriften: Noch heute eine Seltenheit.

Aber heute ist das alles anders, oder? Leider nein. Populäre Frauenzeitschriften schreiben vielleicht Feminismus, Diversität und Selbstbestimmung aufs Cover, das ist aber genauso ernst zu nehmen wie Mascaras, die mit 10-fachem Wimpernvolumen werben. Fitness-Tipps statt Feminismus, Diätplan statt Diversität ‚sex sells‘ statt Selbstbestimmung.

Auf die Leserin warten eine Reihe banaler Artikel, die ihr als der Sinn des Lebens verkauft werden. Die Erwartungen sind utopisch, die Leserin bekommt das Gefühl, von Kopf bis Fuß eine bittere Enttäuschung zu sein. „Du bist gut so wie du bist – solang du Chefköchin, Fashion-Ikone, Sexgöttin und Pamela Reif-Imitat in einem bist“, so die Branchen-Interpretation für Selbstliebe.

Auch die Herren der Schöpfung sind nach wie vor das Maß aller Dinge. Artikel wie „Auf diese Unterwäsche stehen Männer also wirklich“, schreien Patriarchat, werden aber als ‚Normalisierung weiblicher Sexualität‘ verkauft.

Und die politisch-gesellschaftlichen Themen? Immer noch selten. Es ist heute wie damals: Frauenzeitschriften und Feminismus passen scheinbar einfach nicht zusammen. Stattdessen stellen sie ihre Leserinnen als maximal unvollkommen und unfähig dar. So sichern sie ihren Absatz. Denn welche Frau würde noch das Hochglanz-Blättchen kaufen – samt Diätplan und Sextipps – wenn sie mit sich rundum zufrieden wäre? Richtig, keine.

Feminismus in Frauenzeitschriften – Der ewige Verlierer

Frauen bevorzugen ein glitzerndes, flauschiges, cutes
Häschen-Feminismus-Paradoxon.

Noch immer sind die populären Magazine mit höchster Auflage diejenigen, die ihren Leserinnen ausgenudelte Rollenklischees und patriarchalische Werte einhämmern. Emanzipierte Zeitschriften existieren – sie interessieren aber die wenigsten. Sie heißen Emma oder Ms und stehen im Zeitungsregal – da bleiben sie aber auch. Weil sie zu politisch sind, zu viele problematische Themen ansprechen, die zu wenig belanglosen, sexuellen Unterhaltungswert liefern.

Feminismus in Frauenzeitschriften? Gerne, aber bitte in Maßen. Und dann auch nicht die radikale, unrasierte Alice Schwarzer-Variante, sondern lieber ein glitzerndes, flauschiges, cutes Häschen-Feminismus-Paradoxon. Das gibt der Leserin zwar ein Gefühl von Gleichberechtigung, aber nur so viel, dass es ihr keine Angst einjagt und auch nur so lang, wie es die altbewährte, rosa Komfortzone nicht gänzlich plattwalzt.

Fazit

Nachdem ich die letzten Stunden die Website der Cosmopolitan durchstöbert habe, weiß ich jetzt alles, was eine gebildete Frau wissen muss. Männer stehen bei Frauen auf Strings, zu viel gesundes Essen und Jutebeutel machen dick, hässliche, blaue Sandalen von Chanel werden nächstes Jahr der Hit und dank der Venus kann ich diesen Monat den perfekten Teint schminken.

Über Feminismus habe ich wenig gefunden. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Zumindest so lang, bis Frauen ihre Werte verändern – sie sich nicht von einer Zeitschrift sagen lassen wollen, was sie essen, wie viel Sport sie machen und welche Unterwäsche sie tragen. Wahrscheinlich dauert das noch ein paar Jahrzehnte.

Aber schon ´mal vorweg: Liebe Cosmo-Kolumnistin Elisa, dass Sandra Ciesek im Spiegel-Interview diskriminiert wird, zeigt wie viel Arbeit die Gesellschaft in Sachen Feminismus vor sich hat – aber so auch du und deine Kolleginnen. #supporther reicht da nicht.

Ranking Check:
7.12.2020 – Feminismus Frauenzeitschriften – nicht aufgelistet
20.12.2020 – Feminismus Frauenzeitschriften – Platz 58
21.12.2020 – Feminismus Frauenzeitschriften – nicht aufgelistet

Über den Autor

Vera Hinrichsen

Ich bin gebürtige Fürtherin und studiere momentan Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. In meiner Freizeit bin ich leidenschaftliche Tänzerin. Drei Jahre tobte ich mich im Bereich Standard- und Lateintanz aus, vor einem Jahr eroberte dann der Hip-Hop mein Herz. Wenn ich eine Pause vom Tanzparkett brauche, schreibe ich gerne gesellschaftskritische, satirische Artikel mit dem Schwerpunkt Feminismus für meinem Instagram-Account.