Freds Entwicklung – Renaissance im Old Trafford

Wie Manchester Uniteds Fred seine Karriere rettete

Freds Entwicklung - das sorgt auch für Lacher bei seinen Mitspielern.
Freds Entwicklung – das sorgt auch für Lacher bei seinen Mitspielern.

Von Pep Guardiola gejagt, von Jose Mourinho beinahe vom Hof getrieben – der brasilianische Mittelfeldspieler Fred machte in den letzten Jahren einige Höhen und Tiefen mit. Erst vor kurzem schienen seine Tage beim englischen Rekordmeister Manchester United gezählt. Aber er schaffte den Turnaround. Doch wie genau hat er das eigentlich angestellt? Was sind die Gründe für Freds Entwicklung?

Eine neue Hoffnung?

He has balls of steel“, beschrieb Miguel Cardoso Manchester Uniteds Königstransfer des Sommers 2018. Der Independent fragte damals beim Ex-Shaktar Donezk Coach Cardoso nach, worauf sich die Anhänger der Red Devils freuen durften. Denn ungleich früherer Neuzugänge wie Paul Pogba oder Angel di Maria war der neue Mann keine bekannte Weltmarke.

Die Rede war von Frederico Rodrigues de Paula Santos, kurz Fred, der für knapp 60 Millionen Euro von Shakhtar Donezk zu Manchester United wechselte. Gerüchten zufolge wollte selbst Manchester Citys Startrainer Pep Guardiola Fred unbedingt nach Manchester locken – allerdings in den blauen Teil der englischen Metropole. Letztlich sicherten sich die Red Devils die Dienste des Brasilianers.

Die hohe Ablösesumme, damals viertteuerster Spieler der Vereinsgeschichte Manchester Uniteds, und auch die Anerkennung Guardiolas ließen die Erwartungshaltung am brasilianischen Nationalspieler immens steigen.  Lange Zeit sah es auch aus als könne er dieser nicht nachkommen.

Wer ist Fred?

Um Freds Entwicklung in den letzten beiden Jahren genauer beurteilen zu können, sollte zunächst geklärt werden, um welchen Spielertypen es sich beim Brasilianer eigentlich handelt. Fred ist kein klassischer Sechser im Sinne eines rein defensiv orientierten, großen Abräumers. Vielmehr lässt er sich in die Riege der „Box-to-Box“ Mittelfeldspieler einordnen. Vergleichbar ist er damit beispielsweise mit Spielern wie Naby Keita oder auch N’Golo Kanté.

Freds Mittelfeldpartner in Donezk: Taras Stepanenko.

Er ist ein umtriebiger kleiner Mittelfeldmotor, der überall auf dem Feld zu finden ist. Fred bringt dabei aber anders als sein französisches Pendant vom FC Chelsea mehr technische Finesse auf den Platz. Während Kantés größte Stärke wohl in der Ballgewinnung liegt, besticht Fred zusätzlich durch seine technischen Fähigkeiten und seine Übersicht, vor allem in engen Spielsituationen. 

Diese Eigenschaften konnte er nicht zuletzt in der Saison 2017/18 bei Donezk unter Beweis stellen. Im 4-2-3-1 System der Ukrainer lief der Brasilianer als rechter defensiver Mittelfeldspieler neben Taras Stepanenko auf. Von dieser Position aus ließ er sich immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger zurückfallen und forderte den Ball.

Paul Pogba sollte durch den Kauf von Fred endlich offensiver spielen dürfen.
Paul Pogba sollte durch den Kauf von Fred endlich offensiver spielen dürfen.

Dabei zog er immer zwei bis drei Gegenspieler auf sich. Somit schaffte im mittleren bzw. letzten Drittel des Feldes Raum für die offensiveren Mittelfeldspieler Bernard und Taison. Durch seine Wendigkeit konnte Fred Gegenspieler dann oft abschütteln und entweder mit dem Ball in den freien Raum vorpreschen oder seine Mitspieler durch gezielte Diagonalbälle in Szene setzen. 

Diese Eigenschaften, die Fred auch gegen Gegner wie Neapel und Manchester City in der Champions-League unter Beweis stellte, lockten verschiedene Topclubs an, eben auch Manchester City. Letztendlich sicherte sich aber Stadtrivale Manchester United die Dienste des Mittelfeldspielers.

Mit der Verpflichtung des Brasilianers hofften die Fans nun auf das lang ersehnte Puzzleteil im Mittelfeld. Mit Nemanja Matic und Fred im Rücken könne nun auch Rekordeinkauf Paul Pogba offensiv frei aufspielen und sein volles Potential ausschöpfen.

Aller Anfang ist schwer

Die Saison 2018/2019 startete auch mit dem Mittelfeldgespann Pogba und Fred – während Andreas Pereira die Rolle des verletzten Matic ausfüllte. Doch Manchester United gelang trotz der Verpflichtungen kein befriedigender Saisonstart. Das Team schien keine Einheit mehr zu sein, laut Medienberichten waren viele Spieler unzufrieden mit Coach Mourinho. Für die Red Devils lief zum Start der neuen Saison vieles nicht wie erwartet – wie auch bei Fred.

Nachdem er in jedem der ersten drei Saisonspiele in der Startaufstellung stand, setzte ihn „The Special One“ Mourinho in den weiteren 14 Spielen nur 4 mal ein. Aber auch in diesen Spielen konnte Fred seiner Ablösesumme nicht gerecht werden. Sein erstes Tor im United-Dress gegen Wolverhampton am sechsten Spieltag war dann bereits nur Nebensache.

Zwar war der Brasilianer gewohnt wuselig und forderte viele Bälle im Spielaufbau. Jedoch wirkten seine Aktionen oft überhastet und aufgeregt und endeten mit vielen gefährlichen Ballverlusten. Dem zentralen Mittelfeldspieler fehlten die „Nerven aus Stahl“, die Ex-Donezk Coach BlaBla hervorhob und so wurden aus seinen eigentlichen Stärken seine größte Schwäche. Ruhe, Übersicht und technische Finesse wichen für Fehlpässe, überhastete Ballaktionen und das häufige Treffen falscher Entscheidungen. Die United-Verantwortlichen hatten sich Stabilität gewünscht, Fred brachte oft Gegenteil.

Als dann Jose Mourinho am 16. Dezember 2018 gegen Liverpool zum letzten Mal den englischen Rekordmeister coachte, stand Fred nicht einmal mehr im Kader.

Ex-United Trainer Mourinho war wohl nie ein Fan vom Brasilianer und hemmte Freds Entwicklung.
Ex-United Trainer Mourinho war wohl nie ein Fan vom Brasilianer und hemmte Freds Entwicklung.

Keine Zukunft für Freds Entwicklung

Unter Interimscaoch Ole Gunnar Solskjær, der auf „Mou“ folgte, sollte es dann anders werden. Der Coach aus Molde stellte das absolute Gegenstück zu seinem Vorgänger dar, und so ging eine Welle der Veränderung durch die Kabine der Red Devils. Häufig kritisierte Spieler wie Paul Pogba oder Anthony Martial spielten auf einmal frei auf und brillierten unter dem ehemaligen United-Spieler. Der lange vermisste Offensivfußball kam ins Old Trafford zurück.

In dieser Euphorie hofften nicht wenige auch auf eine Renaissance von Fred. Doch die blieb aus. Nicht zuletzt durch fehlende Einsatzzeit. In Solskjærs ersten zehn Spielen kam Fred gerade mal auf 63 Spielminuten, in acht der zehn Spiele saß er die komplette Spielzeit auf der Bank oder stand nicht im Kader. 

Die Rückrunde verlief für den Brasilianer dann etwas besser, durch Ausfälle von Herrera und Matic konnte er Minuten auf dem Platz sammeln. Einen wirklichen Rhythmus fand er aber wie auch der ganze Verein nie.

Einer der wenigen Lichtblicke Freds: der denkwürdige 3:1 Comeback-Sieg im Achtelfinalrückspiel der Champions League gegen Paris St. Germain, bei dem er die volle Spielzeit auf dem Feld stand und maßgeblich zum Erfolg beitrug. Trotzdem setze Solskjær im Verlauf der Saison vermehrt auf Scott McTominay, Ander Herrera oder Andreas Pereira für den Platz im Mittelfeld neben Paul Pogba.

Letztendlich kam Fred in seiner Debütsaison auf wettbewerbsübergreifende 25 Spiele für Manchester United. Dabei schoss er ein Tor, gab eine Vorlage und schaffte es gar in das Team des Jahres der „Sun“ – in die „Flop 11“, das schlechteste Team der abgelaufenen Saison.


Der Turnaround bei Freds Entwicklung

Darüber hinaus verlor Fred seinen Platz im brasilianischen Nationalteam und wurde nicht für die Copa America 2019 nominiert. Als er dann im Sommer noch seine Hochzeit während der Vorbereitungsphase der Red Devils plante, schien seine Zeit im Old Trafford am Ende zu sein. Galatasaray Istanbul stand bereits kurz davor, ihn für ein Jahr lang auszuleihen. Der AC Florenz und die AS Rom waren ebenfalls interessiert – doch Solskjær hielt überraschenderweise an ihm fest: „Er wird [diese Saison] sehr viel Fußball spielen.“

United-Coach Solskjær setzte sich überraschenderweise für einen Verbleib Freds ein und hoffte auf Freds Entwicklung.
United-Coach Solskjær setzte sich überraschenderweise für einen Verbleib Freds ein und hoffte auf Freds Entwicklung.

Zwar kam wurde Fred für die ersten vier Premier-League Spiele nicht berücksichtigt, der Brasilianer legte aber nach drei Kurzeinsätzen ab Oktober eine beeindruckende Serie hin: 19 Spiele in Folge stand der Mittelfeldmotor für die volle Spielzeit am Platz. Begünstigt wurde dies durch Verletzungen von Paul Pogba und Nemanja Matic, und dem Abgang von Ander Herrera.

Doch anders als in der vorherigen Saison spielte sich Fred im Team fest. Die Nummer 17 der Red Devils hatte sich nicht nur an die körperliche Härte der englischen Liga gewöhnt, vielmehr noch: er fing an sich zu wehren. Mit solch einer Mentalität gewinnt man schnell die Herzen der United-Anhänger.

Der neue Fred

Der Brasilianer wirkte fokussierter und vor allem verbissener als noch in der letzten Spielzeit. Die Fehler im Aufbauspiel wurden immer weniger, Fred traute sich stetig mehr zu, er gewann Zweikämpfe. Er zeigte das, wofür man ihn kaufte. Im Aufbauspiel Uniteds bot er sich an und unterstütze die Innenverteidiger, manövrierte sich mit seiner Technik durch schwierige Situationen und leitete Angriffe ein. Neben Neuzugang Bruno Fernandes, mit dem sich Fred auf und neben dem Platz exzellent versteht, spielte der Brasilianer die meisten Vorwärtspässe.

Im Gegenzug war er elementär im Gegenpressing Manchesters. Mit seinen schnellen Bewegungen konnte er gegnerische Angriffe unterbinden, bevor diese überhaupt starteten. Der 60-Millionen Mann war nicht mehr wegzudenken.

Die Gründe für Freds Entwicklung

Einer der Gründe für den Turnaround Freds liegt wohl an Kraft- und Koordinationstrainer Martin Pert. Dieser verstärkt seit Oktober 2019 das Trainerteam Solskjærs und half Fred enorm. Denn: Pert spricht fließendes Portugiesisch und erleichtert somit die Kommunikation zwischen Solskjær und Fred. Auffällig: Gerade im Oktober schien der Brasilianer einen immensen Sprung gemacht zu haben. Genau zu der Zeit, als Pert bei United startete.

Half bei Freds Entwicklung enorm: Früherer Spieler und jetziger Co-Trainer Michael Carrick.
Half Fred enorm: Früherer Spieler und jetziger Co-Trainer Michael Carrick.

Außerdem nennt Fred United-Legende und Co-Trainer Michael Carrick als wichtigen Anlaufpunkt. Der ehemalige Red Devil Carrick spielte bei United eine ähnliche Position wie Fred, Carrick bestach dabei immer durch seine erstaunliche Ruhe und Übersicht. Dinge, die Fred fehlten: ,,Carrick hilft mir, mich zu beruhigen. […] [E]r ist jemand, der mich sehr beeinflusst im Klub.

Ausblick in die Zukunft

Letztlich endete Freds zweite Saison mit fast doppelt so vielen Spielen wie in seiner ersten. Der Brasilianer lief in der Saison 2019/20 48 mal im Trikot der Red Devils auf, erzielte dabei zwei Tore und bereitete weitere vier vor. Anerkennung für seine Leistung erhielt er nicht zuletzt durch die Nominierung für „Manchester Uniteds Spieler der Saison“.

Auch in der aktuellen Spielzeit 2020/21 scheint Fred weiterhin seinen Platz in der Startformation sicher zu haben, zuletzt spielte er gegen RB Leipzig stark auf (s. unten). Es scheint als hätte er nach vielen Höhen und Tiefen seinen Platz gefunden zu haben. Damit ist wohl klar, der Brasilianer hat sie wirklich – balls of steel.

07.12.2020 – Fred – „nicht aufgeführt“

20.12.2020 – Freds Entwicklung – „nicht aufgeführt“ – (Ich habe den Keyphrase am genannten Datum geändert)

Über den Autor

Leonard Friedl

Journalismusstudent in Ansbach. Sport.