Hip Hop als Medizin oder Gewalt, Sexismus, Drogen?

Welches Potenzial birgt Hip Hop?

Hip Hop-Künstler Wiz Khalifa mit Mikrofon auf der Bühne

In welchen Fällen wirkt Hip Hop als Medizin? Bei dem Begriff „Hip Hop“ stellen sich womöglich dem ein oder anderen Erwachsenen die Nackenhaare auf. Oftmals wird die Musikrichtung mit sexistischen Texten, gewaltvollen Messages und vorbildlosem Verhalten assoziiert. Nicht gerade das Medium, das man sich für seine Kinder wünscht. Doch die Subkultur bietet oftmals für Jugendliche auch eine Chance zum kreativen Ausdruck. Sei es in Form des Tanzes, des Musikkonsums, des Rappens oder des eigenständigen Verfassens von Songtexten.

Der Ursprung der Hip Hop-Subkultur

Der Ursprung der Hip Hop-Szene beginnt Anfang 1970 in den Vereinigten Staaten Amerikas. Aus Funk und Soul ging eine neue Richtung hervor.  Soziale Missstände, hohe Armutsquoten und widrige Lebensbedingungen lieferten eine Inspirationsquelle für Musik. Aus dem Gedanken heraus, viele dieser Umstände einen Moment lang zu vergessen und Erlebnisse zu verarbeiten, entstand der damals neuartige Musikstil. Die Wurzeln entspringen vor allem den New Yorker Stadtteilen The Bronx und Queens. Die Bürger dieser Stadtteile kämpften besonders mit den niedrigen Lebensstandards. Grund dafür war die wirtschaftliche und soziale Situation der Großstädte.

Parallel entwickelte sich der Tanzstil „Breakdance“. Auf den Straßen Manhattans und der südlichen Bronx führten erstmals afroamerikanische Jugendliche die Tänze auf. Die Straße als Bühne könnte auch als politisches Symbol der damaligen Zeit verstanden werden, da sich die ärmeren Bürger Beachtung wünschten. Häufig erlebten sie Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft. Die Tanzvorstellungen führten zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl unter Gleichaltrigen. Zudem tanzten die Teenager, um ihr Können unter Beweis zu stellen und sich zu messen. Zuvor führten perspektivlose Aussichten oft zu Gewalttaten. Das B-Boying (Breakdance) verringerte somit Straftaten. Doch wirkt Hip Hop womöglich auch ähnlich wie Medizin?

Journalisten und Hip Hop-Liebhaber gegen frauenverachtende Texte

Salwa Houmsi ist 24 Jahre alt, wurde in Berlin- Kreuzberg geboren und ist Journalistin- im Auftrag des Feminismus. Sie hinterfragt sexistische Raptexte und interviewt die dazugehörigen Rapper. Houmsi betrachtet die Situation im Gesamtkontext. In einem sozialen Netzwerk lautet ihr Statement: „Rap ist nicht das Problem, Rap ist Teil des Problems.“ Auf digitalen Plattformen setzt Sie sich ebenso gegen Rassismus und Patriarchate ein. Doch vollständig auf Rap zu verzichten, kommt für sie nicht in Frage. Für Houmsi sei es der falsche Ansatz.

Statt den Fokus nur auf Hip Hop zu legen, solle man ihrer Meinung nach, das komplette Musikbusiness hinterfragen und im Auge behalten. Folglich kommt die 24-Jährige zu dem Schluss, dass Sexismus überall im Showbusiness und auch in der Medien-Industrie vertreten ist. Betrachtet man das Thema komplex, so fällt auf, dass die Problematik dahinter auf die Verankerung in der Gesellschaft zurückzuführen ist. Deshalb appelliert Salwa Houmsi regelmäßig an ihre Follower und nutzt die Reichweite der sozialen Medien zum Zweck der Aufklärung.

Salwa Houmsi im Interview zum Thema: sexistische Raptexte

https://www.instagram.com/p/CEPbvWzIFHT/?hl=de

Sich bei einer deutschen #MeToo Debatte nur auf Hip Hop zu konzentrieren, finde ich naiv“

Salwa Houmsi

Meistgehörtes Genre unter jungen Menschen

Musik stellt nach wie vor ein wichtiges Medium für Menschen dar. Unabhängig von soziokulturellen Faktoren, der Herkunft oder des Alters. Lediglich der Musikgeschmack variiert individuell. Jedoch belegen Statistiken, dass das Hip Hop-Genre in Deutschland inzwischen bei der jungen Zielgruppe populär ist. Zudem findet das Genre im Vergleich zu anderen Richtungen am meisten Gehör.

Hip Hop-Musik als Behandlungsmethode

Einer Studie der Cambridge University zufolge spielt Hip Hop-Musik für die Behandlung von Depressionen, Angststörungen und weiteren Krankheitsbildern eine entscheidende Rolle. Mithilfe lyrischer Texte werden die Themen aufgegriffen und letztendlich musikalisch aufbereitet, um eine breite Menge betroffener junger Menschen anzusprechen.

Affektive Störungen

Laut Psychologen bildet eine affektive Störung den Oberbegriff für psychische Erkrankungen, bei denen krankhafte Veränderungen der Stimmung und des Gefühlserleben im Fokus stehen. Wenn zusätzlich psychotische Beschwerden auftreten, ist von einer affektiven Psychose die Rede. Gesenkte Stimmung beschreibt hier Depression, während bei krankhaft gehobener Stimmung von Manie gesprochen wird. Der immer wiederkehrende Wechsel zwischen beiden Stimmungslagen wird als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet.

Nach weitverbreiteten Volkskrankheiten wie zum Beispiel „Krebs“, steht „Depression“ weltweit als zweithäufigste Erkrankung in der Bevölkerung auf der Liste.  Das Bundesministerium für Gesundheit zählt sie bezüglich ihrer Ausprägung zu den am „meisten unterschätzten Krankheiten“. Etwa 350 Millionen Menschen leiden Schätzungen zugrunde unter einer Depression. Auch immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene erhalten die Diagnose. Daher besteht ein dringender Bedarf an Aufklärung in der Gesellschaft.

Aufarbeitung gesellschaftlicher Tabu-Themen

Mentale Krankheiten stellen teilweise auch im 21. Jahrhundert ein Tabu-Thema in der Gesellschaft dar. Die Initiative „Hip Hop Psych“ setzt sich für die Aufarbeitung von Stigmata und Vorurteilen im Bezug auf affektive Störungen ein. Sie verleiht psychisch geschwächten Menschen ein Sprachrohr durch Musik.

Zudem finden gezielt Hip Hop-Songs mit positiven und stärkenden Texten Einsatz, die die Hörer zur Motivation anregen und aufbauen sollen. Das Thematisieren erfolgreicher Werdegänge bekannter Interpreten der Hip Hop-Szene dient der Vorbild-Funktion für mental Erkrankte. Die Resilienz der Künstler stellt eine Form der Perspektive und Inspiration für Kranke dar. Hip Hop gleicht bei der Verbesserung der psychischen Gesundheit einer Art Medizin.

06.12.2020-Hip Hop-ungelistet

21.12.2020- Hip Hop als Medizin-nicht aufgeführt

Über den Autor

Sarina Schwinn

Sarina Schwinn studiert an der Hochschule Ansbach im ersten Semester Ressortjournalismus.
Ihre Leidenschaft am Verfassen von Texten und die Begeisterung an einer Vielzahl verschiedener Sprachstile bewegte Sie zu dieser Entscheidung.