Jail Job Eve: junger dynamischer Rock aus Osnabrück

Ich habe mich mit Toja Semel, Sängerin der Band Jail Job Eve unterhalten. Wir blicken zurück auf die gemeinsame Studienzeit in Osnabrück, sehen uns aber auch an, wie sich die Gruppe seitdem weiterentwickelt hat. Ob Highlights wie das 2018 erschienene Debutalbum „The Mission“ oder aber schwierige Situationen wie der Corona Lock-down: Die Vollblut-Musiker zeigen einen starken Willen und Hingabe zu ihrer Musik. So wächst die Band an ihren Herausforderungen. 

Von Schweinfurt nach Osnabrück

Toja Semel kommt ursprünglich aus Schweinfurt. Während ihrer Schulzeit war sie in verschiedenen Bands aktiv und hatte erste Auftritte. Früh schon stand fest: Sie will Musikerin werden. Auch die Liebe zur Rock-Musik hatte sich da schon manifestiert. So begann sie nach der Schulzeit ihr Musikstudium an der Hochschule in Osnabrück. Diese zeichnet sich unter anderem durch ihren Rock-Pop Zweig aus. Aber auch hier muss man Jazzharmonielehre pauken. Das ist schließlich Grundlage und hilft einem später in ganz vielen Bereichen.

Foto: VollmondKonzertfotografie | Toja Semel & Josef Röhner

Um aber vor lauter verkopfter Theorie nicht das Musik machen zu vergessen, haben sich die Musiker der heutigen Band damals zusammengefunden. „Lasst doch einfach mal im Proberaum treffen, um Krach zu machen“ war hier die Devise. Gefunden hatte man sich über das Equipment. Wer seine Gitarre mit einem Marshall verstärkt oder Hammond Orgel spielt, der konnte ja schon mal nicht so verkehrt sein. 

Erste Veröffentlichungen: Die Liebe zur Rock-Musik verbindet

Alle Bandmitglieder hatten dabei eins gemein: Die Liebe zur Rockmusik. Und doch war jedes Bandmitglied auch geprägt von anderen Vorbildern und Einflüssen und so wundert es kaum, dass die Songs der ersten EP „Bird of Passage“ noch ganz verschieden klingen. Doch mit der Zeit findet und festigt man seinen Stil als Band. „Bei ‚The Mission‘ hat sich dann das erste mal ein roter Faden durch die Mucke gezogen“, so die Sängerin über das 2018 erschienene Debutalbum der Band. 

Wenn Toja von dem Debutalbum erzählt wird klar, wie viel Arbeit hinter so einer Platte steckt. Musiker sei eben ein Stück weit auch ein Bürojob. Egal ob es darum geht Konzerte zu booken, Zeitschriften und Labels anzuschreiben oder andere Bands für gemeinsame Auftritte zu gewinnen: Solange sich eine Band selber managt, sind diese Aufgaben Eigenarbeit. 

Single „The Mission“ des gleichnamigen Debutalbums

Der Umgang mit der Corona Krise

Im März diesen Jahres wurde bei den meisten von uns der Alltag durcheinander geworfen. So auch bei den jungen Musikern aus Osnabrück. Neben dem Masterstudium, arbeitet Toja Semel an einer Musikschule und gibt dort Gesangsunterricht. Durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen mussten die Musikschulen jedoch eine Zeit lang schließen.

„Von einem Tag auf den anderen haben dann die Musikschulen zugemacht und damit auch der Ort, an dem ich arbeite und auch Geld verdiene. Da ging mir dann tatsächlich ein bisschen die Düse“ erinnert sich Toja. Doch sie hatte Glück. Anders als bei vielen anderen Musikschulen wurde hier gleich in der zweiten Woche auf Online-Unterricht umgestellt. So konnten weitestgehend Unterrichtsausfälle vermieden und die Bezahlung der Schulen und Lehrer gewährleistet werden. 

Schwieriger gestaltete sich allerdings das Bandleben. Durch das Kontaktverbot waren Bandproben bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Doch was tun, wenn man gerade dabei ist, eine neue Platte zu produzieren? Toja erzählt uns von regelmäßigen Skypemeetings mit teilweise sehr„hitzigen Diskussionen.“ Aufnahmen und Ideen wurden hin und hergeschickt und so konnte das Basteln an der neuen Platte – wenn auch unter erschwerten Bedingungen- weitergehen. 

Foto: ReishausFotografie | Jail Job Eve im Studio
Foto: ElementsMediaStudio | Toja Semel als Coach beim Hammelburger Bandcamp

Weg aus der Krise: Das Crowdfunding-Projekt:

Was aber die geplanten Konzerte und Festivals betrifft, waren den Musikern aus Osnabrück die Hände gebunden. Alle Auftritte wurden abgesagt. Somit ging der Band ihre Haupteinnahmequelle flöten. Und nicht nur das: Auch der Kontakt mit den Fans und die Resonanz vom Publikum vermissten sie schmerzlich, erzählt uns die junge Sängerin:

„Als Musiker ist man auch emotional darauf angewiesen, dass die Musik gehört wird und dass da vom Publikum Energie zurück kommt. Sonst fehlt einem irgendwie die Tankstelle.“

Wenn man auf Tour ist und die neuen Songs spielt wächst man mit der Musik auch mehr zusammen. Irgendwann hört man auf, über Formteile und Abläufe nachzudenken. Dann kann man ganz bei der Emotion und bei den Leuten im Raum sein.

Auch die Produktion der neuen Platte war durch das Wegbrechen der Einnahmen gefährdet. Also startete Jail Job Eve ein Crowdfunding-Projekt. Doch einfach nur Spenden entgegenzunehmen, das war den Musikern zu einfach. „Wir wollten unbedingt zeigen, dass wir auch arbeiten wollen, es aber momentan auf die gewohnte Art nicht können“ so Toja Semel. Und so überlegte sich die Band zahlreiche Dankeschöns, die man auf der Crowdfunding-Website buchen konnte. 

Unterrichtsstunden wurden angeboten, aber man konnte sich bspw. auch einen eigenen Song wünschen oder Backstage-Tickets für noch ausstehende Konzerte buchen. Benedikt Schlereth, Gitarrist der Band, hat sogar angeboten, eigens Gitarren zusammenzubauen und zu lackieren. Das Crowdfunding Projekt wurde alles in allem super angenommen und erhielt viel positives Feedback. So erreichten die jungen Musiker das Funding Ziel und sicherten sich so die professionelle Produktion ihrer Platte. Darüber hinaus gelang es der Band, durch das Projekt mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben. 

Ausblick auf die neue Platte

2021 ist es dann soweit: die neue Platte erscheint. Toja ist jetzt schon voller Vorfreude. Die Band habe sich seit der letzten Platte in vielerlei Richtungen weiterentwickelt, erzählt sie mir. Auch auf die neuen Texte ist sie sehr stolz. Von Klimawandel bis hin zu Frauenrechten – die Musiker trauen sich auch an schwierige Themen heran und zeigen somit, dass sie eine Stimme haben und sich auch trauen, diese nach außen zu tragen.

Wann Live-Konzerte nächstes Jahr wieder möglich sind, steht noch in den Sternen. Toja erinnert uns daran, dass Kultur auch fernab von den Konzertbühnen aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist. Bücher, Filme, Musik – Kultur hole einem aus dem Alltag und gebe einem einfach ein gutes Gefühl. Entgegen einiger Stimmen ist sie deshalb der Meinung, dass Kultur sehr wohl systemrelevant ist. 

Foto: ReishausFotografie | von links ab: Josef Röhner (Drums), Tim Beckers (Bass), Toja Semel (Gesang), Benedikt Schlereth (Gitarre), Jens Niemann (Keys)

Grade die freie Szene – also alles weit weg von den „Standard-Charts“-bräuchte jetzt dringend Unterstützung. Auch wenn das in Form von Konzerten grade nicht möglich sei, gäbe es genug andere Wege. Neben dem Kaufen von Platten oder Merch, könne man Bands auch unterstützen, indem man die Musik mit Freunden oder auf sozialen Netzwerken teile.

Ein starker Wille und ungebändigte Kraft: Das zeichnet Jail Job Eve aus und genau das spürt man auch, wenn man in die Songs reinhört. Auch wenn sich die Band die Arbeit an der neuen Platte sicherlich anders vorgestellt hatte: Die Musiker haben die Freude an der Musik nicht verloren: Im Gegenteil: Jail Job Eve brennt nach wie vor für ihre Musik und so können wir alle gemeinsam auf das Erscheinen der neuen Platte hinfiebern. 

Rock aus Osnabrück: Jail Job Eve zum reinhören & teilen

Über den Autor

Luca Rihm

Luca Rihm studiert Ressortjournalismus an der HS in Ansbach.