Wie sich das Kaufverhalten während der Corona Pandemie verändert

Müssen wir uns bald wieder vor leeren Supermarkt Regalen und Hamsterkäufern fürchten? Laut neuester Statistiken ist das Kaufverhalten während der zweiten Corona Welle vieler Lebensmittel wieder stark angestiegen.

Mit den steigenden Neuinfektionen der letzten Wochen, haben vor allem die Verkaufszahlen von Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und anderen Hygieneartikeln wieder deutlich zugenommen.

Daten des statistischen Bundesamts zeigen das Kaufverhalten zu Beginn der 2. Corona Welle

In der Sonderauswertung der 42. Kalenderwoche ist ein deutlicher Anstieg bei den Verkaufszahlen von Toilettenpapier, Desinfektionsmittel und Seife zu sehen. Das Toilettenpapier verzeichnet einen Anstieg von 89,9 Prozent, Desinfektionsmittel 72,5 Prozent und Seife 62,3 Prozent.

Im Sommer hatte sich der Verkauf der meisten Lebensmittel normalisiert, der Verkauf von Seife und Desinfektionsmitteln war dennoch leicht über dem Durchschnitt. Ab der 42. Woche stiegen dann auch die Anfragen anderer Lebensmittel wieder an.

Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts.

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/11/PD20_460_61.html

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte bereits im März vor Hamsterkäufen

Vorratshaltung ist sinnvoll, war es im Übrigen immer schon. Aber mit Maß. Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch.

– Bundeskanzlerin Angela Merkel im März 2020

Schon im März 2020 sprach sich Angela Merkel deutlich dafür aus, dass es unnötig sei, deutlich mehr Lebensmittel zu kaufen, als nötig sind. Sich einen kleinen Vorrat anzuschaffen, hält sie für vernünftig, jedoch keine Unmengen. Dies würde dazu führe, dass andere nicht mehr genug abbekommen.

Trotz steigenden Neuinfektionen werde es keine Schließung der Lebensmittel Geschäfte geben. Dies wurde bereits im Frühjahr mehrfach betont, wenn manche Leute aus Angst vor Schließungen hamstern. Auch bei einem möglichen zweiten Lockdown gibt es nichts zu befürchten.

Im Frühjahr war das Kaufverhalten noch deutlich höher

Nach der ersten Infektion im Frühjahr im Kreis Heinsberg war ein noch höherer Anstieg erkennbar. 100 Prozent ist der normale Wert, jetzt befindet sich Toilettenpapier beispielsweise bei 189,9 Prozent. Im Frühjahr waren es jedoch am Höhepunkt 310 Prozent.

Spitzenreiter war im März 2020 das Desinfektionsmittel. Hier war der höchste Wert bei bis zu 850 Prozent. Die Seife lag damals bei knapp 437 Prozent.

Die Grafik zeigt, dass die Verkaufszahlen im Frühjahr ihren Höhepunkt hatten.

Unternehmen reagieren auf die veränderte Nachfrage in der Corona-Krise

Durch die ständige Veränderung des Kaufverhaltens der Kunden und der steigenden Verkaufszahlen, haben die Unternehmen reagiert und die Produktion vieler Produkte angezogen. Bereits im Januar war die Produktion von Desinfektionsmitteln 29 Prozent höher als im Monat davor. Im April wurden dann 116 Prozent mehr produziert als im vergangenen Jahr.

Die Produktion von Nudeln ist ebenfalls stark angestiegen. Schon im März wurden 72 Prozent mehr produziert, als im Vormonat und 82 Prozent mehr als noch 2019. Durch die Schließung der Restaurants, war der Verkauf der Nudeln deutlich höher, wie vor der Krise. Insgesamt gesehen, wurden von Januar bis September 20 Prozent mehr Nudeln produziert, als 2019.

Seit Beginn des neuen Teil-Lockdowns: Die Verkaufszahlen sinken wieder

Am 2. November 2020 ist in Deutschland ein weiterer Lockdown ausgerufen. Dieser hat nicht nur die erneute Schließung von Restaurants, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und viele weitere zur Folge, sondern auch eine erneute Veränderung des Kaufverhaltens. Eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamts zeigt, dass die Nachfrage nach den Hygieneartikeln und Lebensmitteln wieder stark zurückgegangen ist. Das Kaufverhalten der Kunden ist nicht vergleichbar, mit dem während der ersten Corona Welle.

Seit der 43. Kalenderwoche haben sich die Verkaufszahlen wieder weitgehend normalisiert und seit der 46. KW liegt der Verkauf sogar wieder leicht unter dem Vorkrisen-Durchschnitt. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Bürger den bevorstehenden Lockdown kommen gesehen haben und sich bereits vorsorglich mit mehr Hygieneartikeln und Lebensmitteln eingedeckt haben. Trotz allem bleibt der Umsatz der Discounter beständig.

Im Gegensatz zu den Supermärkten: Kaufhäuser machen Verlust

Die klassischen Warenhäuser gehen bei der Corona Krise als Verlierer hervor. Laut dem Statistischen Bundesamt gingen die Umsätze der Kaufhäuser im August 2020 um 2,4 Prozent zurück. In vielen Orten Deutschlands haben in den vergangenen Monaten bereits große Kaufhäuser geschlossen.

Eines der größten Kaufhäuser Deutschlands, Galeria Kaufhof, machte in den letzten Wochen bereits Schlagzeilen mit geschlossenen Filialen. Bundesweit machen laut dem GKK-Gesamtbetriebsvorsitzenden 37 Warenhäuser dicht. Dadurch verlieren auch rund 3200 Mitarbeiter ihren Job.

Von leeren Regalen können die meisten Warenhäuser nur träumen.

Der große Gewinner der Krise: Der Online Handel

Im Vergleich zu den Warenhäusern machte der Online Handel einen deutlichen Gewinn. Im August 2020 stieg der Umsatz um 22,9 Prozent an. Von April bis Juni lag der Wert im Vergleich zum 2. Quartal 2019 bei einem Anstieg von bis zu 32 Prozent. Mit den bevorstehenden Feiertagen rechnen die Händler nochmal um einen großen Anstieg im Online Geschäft.

Der Online Handel ist schon seit Jahren der größte Konkurrent der klassischen Kaufhäuser. In den letzten 20 Jahren konnten die Online Verkäufe sich verdoppeln, der Einzelhandel hingegen verzeichnete nur einen Anstieg von etwa 11,2 Prozent. Damit liegt der Zuwachs deutlich unter der der Konkurrenz.

7.12.2020 – Kaufverhalten während Corona – Keine Platzierung

Über den Autor

Michelle Bellach

Ressortjournalismus Studentin
Michelle Bellach hat ihr Fachabitur im Bereich Sozialwesen abgeschlossen und danach angefangen Soziale Arbeit zu studieren. Aufgrund ihrer Liebe zum Schreiben, entschied sie sich dann, dies auch beruflich zu machen und studiert nun Ressortjournalismus.
Nebenbei ist sie seit 2017 als Geschäftsführerin bei Ilg Immo.Invest tätig.