Krankenhäuser in der Corona-Pandemie

Ein Lagebericht

Corona, COVID-19 oder Sars-CoV-2. Egal wie man das Virus nennt. Egal ob man es als gesundheitliche Bedrohung oder große Verschwörung wahrnimmt. Es bestimmt seit diesem Jahr unseren Alltag und dominiert die Medien.
Viele Menschen protestieren gegen den zweiten Lockdown. Von Restaurantbetreibern über Fitnessstudios bis hin zur Privatperson, die generell wieder ohne Maske ihren Wocheneinkauf erledigen möchte. Doch wie ist die Lage der deutschen Krankenhäuser in der Corona-Pandemie? Welche Probleme waren und sind dort am stärksten?


Mehr zum Thema: https://www.quarks.de/gesundheit/was-man-ueber-schutzmasken-in-zeiten-von-corona-wissen-muss/


Rund 6600 Betten sind frei

Täglich veröffentlicht die deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv-und Notfallmedizin (DIVI) auf www.intensivregister.de aktuelle Covid-19 Fallzahlen und die derzeitigen intensivmedizinischen Auslastungen in Deutschland. Am 24. November 2020 erfasst die Vereinigung insgesamt 3.742 intensivmedizinische Behandlungsfälle von Corona-Patienten. Davon sind rund 57 Prozent auf eine invasive Beatmung angewiesen. Zum heutigen Tag sind über 6.616 Betten frei. Anfang des Monats standen noch circa 7.970 Plätze zur Verfügung. Die Lage verschärft sich erneut. Somit kann die Kapazität demnächste wieder ein Problem darstellen.

Generell ist zu vermerken, dass seit dem Ausbruch deutlich weniger Non-Covid-Patienten ins Krankenhaus kommen als zuvor. Viele haben Angst sich mit dem Erreger anzustecken. Andere wollen die Ärzte und Pflegenden in der Krise nicht zusätzlich belasten. Doch vor allem Patienten mit ernstzunehmenden Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall müssen unbedingt weiterhin schnellstmöglich Hilfe in Anspruch nehmen. Ein generelles zu hohes Patientenaufkommen und eine daraus folgende Überlastung der Notaufnahmen und normalen Stationen liegt zumindest nicht vor.

In allen Bundesländern sind zurzeit mindestens 2/3 der Intensivbetten belegt. Am knappsten ist es mit 14,9 Prozent in Hessen. Die meisten freien Plätze gibt es in Schleswig-Holstein mit 32,1 Prozent. Quelle: DIVI-Intensivregister
Die COVID-19-Patienten belegen von der Gesamzanzahlt der Intensivbetten – je nach Bundesland – 2,5 bis 24,2 Prozent. Quelle: DIVI-Intensivregister

Materialmangel – Wir mussten die Masken nach 14 Tagen wieder benutzen

Die Notaufnahme im Krankenhaus St. Josef in Buchloe im Ostallgäu ist: Mit ihren vier Aufnahmezimmern mit insgesamt sechs Betten ist sie recht klein, aber in guter Zusammenarbeit und mit der richtigen Ausstattung können hier Tag und Nacht viele Patienten behandelt werden. Doch an der Ausstattung fehlte es. Stichwort Materialmangel. Um die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren, benötigt es eine umfassende persönliche Schutzausrüstung (PSA). Handschuhe, Kittel mit langen Ärmeln, Schutzhaube, Brille oder Visier und natürlich die Schutzmaske.

Die Masken werden zum Trocknen auf Wäscheleinen gehängt.

Wie mir Franziska Nusser*, eine Mitarbeiterin der Notaufnahme, erzählt, waren anfangs vor allem die FFP2 Masken betroffen. „Nach jeder Schicht haben meine KollegInnen und ich unsere Masken mit dem Datum beschriftet und sie auf die Wäscheleine gehängt. Nach 14 Tagen mussten wir sie wieder benutzen. Wir wussten nicht mal, ob die Masken beim erneuten Gebrauch noch ausreichend schützen.“ Momentan sind genügend Mund-Nasen-Schutze vorhanden, aber man werde von der Leitung wieder darauf hingewiesen, sparsam zu haushalten.

Die Schleuse – „vor Operationssälen ein Muss, aber vor isolierten Zimmern nicht“

Aber nicht nur das Material betreffend, auch baulich gibt es im allgäuerischen Krankenhaus Probleme. Die Intensivstation des Klinikums baut sich unter anderem aus zwei IMC-Zimmern mit jeweils drei Betten und drei Kammern für Intensivpatienten mit insgesamt fünf Betten zusammen. Deswegen gibt es kaum Platz für Isolation. Oftmals müssen ein oder gar zwei weitere Betten gesperrt werden, damit der isolationspflichtige Patient gefahrenlos behandelt werden kann.

Doch damit nicht genug, weder in der Notaufnahme noch auf der Intensivstation gibt es Zimmer mit einer Schleuse davor. Eine Schleuse vor einem Isolationszimmer dient dazu, das Personal, die Besucher und die Patienten vor einer (weiteren) Ansteckung zu schützen. Unter anderem zieht man in diesem Bereich die PSA an beziehungsweise aus und desinfiziert sich nach Vorschrift die Hände. „Vor Operationssälen ein Muss, aber vor isolierten Zimmern nicht“, erklärt Frau Nusser.

Das alte Lied vom Geld

Für eine Sanierung fehlt oft das Geld.

Natürlich ist das Krankenhaus in Buchloe nicht das einzige in Deutschland, das sowohl gegen das Virus, als auch gegen schlechte Voraussetzungen kämpfen muss. Denn viele Kliniken benötigen eine Modernisierung nach aktuell geltenden Standards. Aber greift der Staat den Gesundheitseinrichtungen unter die Arme?

Das Londoner Unternehmen PricewaterhouseCoopers International (PwC) hat im Jahr 2018 in einer Studie veröffentlicht, dass die staatliche Investitionsfinanzierung nicht mehr den tatsächlichen Bedarf vieler öffentlicher Krankenhäuser abdeckt. Dadurch müssen die Häuser einen Großteil der Mittel selbst finanzieren. Im Jahreskrankenhausbauprogramm 2020, das Staatsministerin Melanie Huml und Finanzminister Albert Füracker im Juni diesen Jahres freigegeben haben, ist vermerkt, dass der Freistaat Bayern den Ausbau von Krankenhäusern in diesem Jahr mit rund 341 Millionen Euro fördern möchte. Momentan laufen 142 Krankenhausbauvorhaben für rund 3,3 Milliarden Euro. Die Förderung macht somit circa zehn Prozent der Gesamtsumme aus.

Geeignetes Arbeitsumfeld wäre verdient

Es scheint, als wäre nach dem anfänglichen Chaos, das sich aus fehlendem Material und der Konfrontation eines neuen Virus zusammengesetzt hat, nun vor allem die hinterherhinkende Modernisierung vieler Kliniken ein Problem. Hier sollten die Politiker für ihren nächsten Wahlkampf ansetzen.

Eins sollte klar geworden sein. Die Pflegenden haben unter all den erschwerenden Umständen einen hervorragenden Job geleistet und sich somit ein geeignetes und unterstützendes Arbeitsumfeld mehr als verdient. Die Politiker sollten sich mehr auf diesen Punkt konzentrieren, anstatt nur warmherzig zu klatschen .


Bildnachweis:

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Grafiken by nc/nd/sa DIVI-Intensivregister www.intensivregister.de
Video by „Das Lumpenpack“ https://www.youtube.com/watch?v=L5JfbQTCeSc&list=PLFhjAA6oxVE8eJXEsq1Sltn13FUmda731

07.12: Artikel nicht aufgeführt mit der Keyphrase Krankenhäuser in der Corona-Pandemie und auch am 20.12 nicht.

Über den Autor

Miriam Jesina

Miriam Jesina hat als gelernte Medizinische Fachangestellte in einer Notaufnahme gearbeitet,
bis sie letztendlich zum Journalismus wechselte.
Die Leidenschaft zur Medizin blieb dabei jedoch unverändert.