Multiple Sklerose – Krankheit mit vielen Gesichtern

Multiple Sklerose – Der Verlauf und weitere Formen der Antikörpertherapie

Die Multiple Sklerose hat verschiedene Verlaufsformen, die sich unterschiedlich stark oder schwach zeigen.

Multiple Sklerose: Der schubförmige Verlauf (RRMS)

Der schubförmige Verlauf ist auch als schubförmig-remittierender  Verlauf bekannt. Diese Verlaufsform kennzeichnet den Beginn der Multiplen Sklerose bei den meisten Patienten. Die Schübe treten in unregelmäßigen Zeitabständen und in unterschiedlicher Stärke auf. Die Dauer eines Schubs kann Stunden als auch Tage andauern. Während des Schubes sind die Krankheitssymptome unterschiedlich stark ausgeprägt. Beim Abklingen der Erkrankung ist es möglich, dass sich die gezeigten Symptome vollständig oder eben nur teilweise zurückbilden.

Der sekundär (chronisch) progrediente Verlauf (SPMS)

Dieser Verlauf ist gekennzeichnet durch eine langsame aber stetige Zunahme neurologischer Fehlfunktionen. Neurologischen Ausfallerscheinungen nehmen ebenso wie Sensibilitätsstörungen zu. Bei dieser Verlaufsform kann es zusätzlich zu einzelnen akuten Schüben kommen. Beginnt man rechtzeitig mit einer Therapie, ist es möglich, dass sowohl die Erkrankungsschübe vermindert als auch die körperlichen Beeinträchtigungen reduziert auftauchen können.

Von einem chronischen Verlauf spricht man nur dann, wenn die Symptome einem Zeitraum von über 6 Monaten entsprechen und anhalten.

Der primär (chronisch) progrediente Verlauf (PPMS)

Hierbei handelt es sich um eine stetige Verschlechterung der Symptome von Beginn an der Erkrankung. Erkennbare Krankheitsschübe müssen nicht zwingend vorliegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient diese Verlaufsform von Beginn an hat, ist sehr gering. Zudem sind eher Patienten davon betroffen, die erst nach ihrem 40. Lebensjahr erkrankt sind.

Der benigne Verlauf

Als benigne MS ist eine Verlaufsform gemeint, die viele Jahre nach Erkrankungsbeginn, in der Regel zwischen 10 und 15 Jahren zu keiner oder nur zu einer geringen Behinderung führt.


Multiple Sklerose – Antikörpertherapie

Natalizumab (Handelsname Tysabri®)

Dieser Antikörper wird bei der schubförmig verlaufenden MS angewendet. Er wird alle vier Wochen verabreicht und dies geschieht über eine intravenöse Infusion. Dieses Medikament verhindert das Eindringen der T-Zellen über die Blut-Hirn-Schranke. Es blockiert also den „Durchgang“. Im Falle einer Erkrankung findet man eine relativ große Anzahl an Adhäsionsmolekülen (MCAM). Diese sind dafür verantwortlich, dass sich die T-Zellen vermehrt an die Blut-Hirn-Schranke anheften bzw. sie durchdringen können und somit MS-Schübe auslösen. Wäre es möglich, sowohl die EiweißmolekülVLA-4 als auch MCAM gleichzeitig zu blockieren, wäre die Bindungskraft zwischen Antikörpern und Zellen verringert. Die Zahl der schädlichen Zellen im zentralen Nervensystem würde rapide also abnehmen bzw. erst gar nicht entstehen.

Ein Absetzen des Medikamentes, kann vereinzelt zu schweren MS-Schüben führen. Die Anwendung des Medikaments kann aber schwere Nebenwirkungen auslösen, da durch diese Therapie das Immunsystem stark geschwächt ist. Folgende, vereinzelt schwere, Nebenwirkungen können auftreten: Überempfindlichkeit, Depressionen, Atemweginfektionen oder die Entwicklung einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie auslösen oder verstärken; diese kann zu einer schweren Behinderung oder zum Tod führen.

 Daclizumab (Handelsname Zinbryta)

Bei diesem Antikörper handelt es sich um einen aus menschlichen Proteinen entwickelten monoklonalen Antikörper.  Er wird hauptsächlich in der Therapie für Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) verwendet. Außerdem injiziert man ihn einmal monatlich durch eine subkutane Injektion mit einer Spritze. Dieser Antikörper greift hautsächlich über natürliche Killerzellen in das Immunsystem ein und wirkt immunmodulierend. In diesem Fall fördert der Wirkstoff gezielt die Aktivierung der menschlichen Antikörper. Diese Antikörper binden sich an die Untereinheit des Rezeptors Interleukin-2, der für das Wachstum der T-Zellen verantwortlich ist, auch CD25 genannt. Durch die Anbindung des Antikörpers Dacilzumab an den Rezeptor erfolgt eine Blockade der Aktivierung von T-Zellen und ihre zerstörende Wirkung wird unterbrochen. Der Wirkmechanismus beginnt also mit einer Blockade der Aktivierung autoreaktiver T-Zellen. Dadurch ist deren zerstörerische Wirkung verringert.

Folgende Nebenwirkungen können allerdings bei dieser Therapie auftreten: Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Harnweginfektionen und oder allergische Hautreaktionen.

Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus)

Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen monoklonalen Antikörper , welcher genetisch hergestellt ist. Dieser Antikörper wird vor allem bei der primär progredienten Multiplen Sklerose als auch bei der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose angewandt. „Bisher stand für die primär progrediente MS (PPMS) kein spezifisches Medikament zur Verfügung. Wir konnten nachweisen, dass Ocrelizumab auch bei dieser Verlaufsform wirksam ist.“ Dies hat zur Folge, dass Patienten mit häufigen Schüben bevorzugte Patienten bei der Behandlung mit Ocrelizumab sind. Der Wirkungsmechanismus ist durch die Bindung des Wirkstoffes an das CD20-Molekül, das auf der Oberfläche der B-Zellen zu finden ist, ausgelöst geworden. Dies liegt daran, dass der Antikörper den Rezeptor des CD20-Moleküls auf der Oberfläche der B-Zellen erkennt. Der Antikörper interagiert nun mit dem körpereigenen Immunsystem, um die B-Zellen vollständig zu zerstören.

Die Behandlung erfolgt über einen Zeitraum von mindestens 120 Wochen. Zu Beginn wird das Medikament zweimal innerhalb von vier Wochen und im weiteren Verlauf alle 6 Monate als Infusion verabreicht. Dadurch, dass das Medikament immunsuppressiv wirkt, können unerwünschte Wirkungen der körpereigenen Abwehr durch Veränderungen entstehen. Beispielsweise grippeähnliche Nebenwirkungen, Kopfschmerzen und Knochenschmerzen sowie eine gesteigerte Infekt-Anfälligkeit.

07.12.2020 – ohne Platzierung , Keyphrase: Multiple Sklerose – Krankheit mit vielen Gesichtern

21.12.2020 – ohne Platzierung, Keyphrase (geändert): Multiple Sklerose

Über den Autor

Laura Götz

RJO Studentin
Laura Götz ist 22 Jahre alt, kommt ursprünglich aus München und hat dieses Jahr ihr Fachabitur an der FOS Karlsfeld geschrieben.
Seit Anfang Oktober ist sie nun Studentin an der Hochschule Ansbach und studiert dort Ressortjournalismus.