Nachhause? Oder nachhause nachhause?

Weg von zuhause…

Wohin gehts?

Wohin gehts?

Die meisten jungen Menschen ziehen von zuhause weg, aufgrund ihres Studiums oder ihrer Ausbildung. Oftmals gibt es in der eigenen Heimat keine passenden Schulen oder Universitäten. Während manche trotzdem versuchen so nah am eigenen Elternhaus zu bleiben wie möglich, zieht es andere in die Ferne. 

Manche sogar ins Ausland: Dank Organisationen wie Erasmus wird es zunehmend mehr Studenten möglich gemacht ein Auslandssemester zu machen. Viele finden weit weg von ihrer Heimat ein neues Zuhause, eine zweite Familie.

Finanzierung

37 Prozent der alleinwohnenden Studenten arbeiten neben ihrem Studium, beispielsweise als Kellner oder Babysitter. Es muss schließlich nicht nur Unterkunft, sondern auch Essen und Freizeit finanziert werden. Die meisten Eltern können das allein nicht finanziell stemmen.

Wie finanziere ich mein Studium?

Wichtig ist, dass das Studium darunter nicht leidet. Das Zeitmanagement zwischen Arbeiten, Studium und Ausgleich muss stimmen. Wem die Zeit zum Arbeiten nicht reicht oder gerade jetzt während Corona keinen Job bekommt, hat auch andere Möglichkeiten. Über eine halbe Million Studierende bekamen 2018 Bafög. Das ist die finanzielle Hilfe für Schüler*innen und Student*innen vom Staat. Diese schwankt durchschnittlich zwischen 300 und 500 Euro und muss nur zu 50 Prozent zurückgezahlt werden, Stand 2018. Weitere Möglichkeiten das Studium zu finanzieren sind beispielsweise Stipendien. Die werden von privaten und staatlichen Trägern angeboten, zu unterschiedlichsten Konditionen.

Kleine Hilfestellung, um grob den eigenen Bafög-Anspruch auszurechen

Und wann von zuhause weg ziehen?

Das Durchschnittsalter, in dem junge Menschen von zuhause ausziehen liegt bei 23,7 Jahren. Dabei ziehen Mädchen früher aus wie Jungen. Auch die Wohngegend macht einen Unterschied: Jugendliche aus ländlichen Regionen bleiben durchschnittlich länger zuhause wohnen, wie junge Menschen aus Städten.

Mit 23,7 Jahren liegt Deutschland unter dem EU-Durchschnitt von 25,9. In Schweden werden Jugendliche am frühsten flügge. Verallgemeinert kann man sagen, dass nordeuropäische Heranwachsende das Haus deutlich früher verlassen wie Süd-Osteuropäische. Oft hängt dies auch mit der finanziellen Lage zusammen, da die Bevölkerung in östlichen Ländern meist ärmer ist. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Und dann kam Corona…

Seit Anfang des Jahres hat sich jedoch viel verändert: Der Corona-Virus macht es den Schulen und Universitäten schwer Student*innen und Schüler*innen Präsenzunterricht anzubieten. Aus Sicherheitsgründen wird der Unterricht ins Netz verlegt. Vorlesungen werden jetzt per Videochat mit „Zoom“ und Co abgehalten.

Anna Dörr, studiert seit dem Wintersemester 2020/21 Physiotherapie:

Ich persönlich komm mit den Online-Vorlesungen mega gut zurecht. Vor allem die Möglichkeit direkt nach der Vorlesung eben noch hockenzubleiben und das ganze nachzuarbeiten, was du halt in Präsenz definitiv nicht machst. (…) Ich bin ehrlich, das mach in den Online-Vorlesungen wirklich jedes Mal und ich würde jetzt nicht unbedingt sagen, dass es daran liegt, dass es halt einfach schlechter rüberkommt online, dass ich mir das nochmal nacharbeiten muss. Aber das glaub ich tatsächlich nicht. Ich glaube, dass es tatsächlich einfach das Ding ist: Ja, dann bleib ich halt noch sitzen, ich bin ja zuhause. (…) Natürlich fehlt so ein bisschen der Austausch, sowohl mit den anderen Kommiliton*innen, als auch mit den anderen Dozenten. (…) Ich glaub, es würden deutlich mehr Fragen aufkommen und da geht mit Sicherheit im Laufe der Zeit auch einiges verloren dadurch.

Für viele stellt sich deshalb die Frage, ob sich das weg ziehen von zuhause überhaupt lohnt. Schließlich findet alles online statt. So spart man sich zwar Geld und Zeit, doch andererseits wird es schwer Kontakte zu knüpfen. Deshalb gibt es das typische „Studentenleben“ kaum noch, mit geschlossenen Kneipen und vor dem Laptop. Viele Universitäten und Hochschulen versuchen dies durch Online-Veranstaltungen zu kompensieren.

Mein Umzug – weg von zuhause

Als ich am ersten Oktober in mein vollgepacktes Auto stieg, drückte mein Herz mich schwer in den Fahrersitz. Der Kaffee in meiner Thermoskanne schmeckte viel zu sehr nach Nachhause und auf dem Beifahrersitz stand eine Pinnwand mit Fotos von meiner besten Freundin. Mein Kofferraum voll mit Dingen, von denen ich dachte, ich würde sie unbedingt brauchen. Als ich am Ortsschild meiner Heimatstadt vorbeifuhr, schluckte mehrmals einen dicken Kloß im Hals runter.

neues Zuhause…

Jetzt, genau einen Monat später, habe ich auch hier ein Zuhause gefunden, auch wenn der Kaffee hier anders schmeckt. Ich hab eine kleine, neue Familie in meiner WG und weiß mittlerweile wo die Sachen im Supermarkt stehen. Doch irgendwann packt uns alle das Heimweh. Wenn ich heute erzähle, dass ich nachhause geh, werde ich immer gefragt, ob ich nachhause oder nachhause nachhause fahre. Und ich freue mich, wenn ich nachhause nachhause sage und zwei und halb Stunden und 180 Kilometer später vor das Haus fahre, in dem ich meine Kindheit verbracht habe. Denn irgendwie zieht es uns alle irgendwann wieder nachhause. „Nachhause nachhause“. Zu unseren Eltern und Haustieren. Omas und Opas. Und den alten Freunden.

Tommi, ich glaub ich hab Heimweh. Ich will mal wieder am Rhein stehen, einfach hineinsehen. (…) Und es war immer klar, irgendwann kommt der Tag, an dem wir beide gehen. Wir wollten immer was sehen, so viel wie es geht und überall auf der Welt.

Aus dem Lied „Tommi“ von AnnenMayKantereit

Bildnachweis:

21.12.2020 – von zuhause weg – nicht aufgeführt (>100)

Über den Autor

Lena Weck

2019 habe ich mein Abitur absolviert und anschließend ein Jahr im sozialen Bereich gearbeitet. Seit Oktober 2020 studiere ich nun Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach.