Ohne Kunst und Kultur wird´s still

Künstler veröffentlichen zwei Minuten Stille


Seit März 2020 dürfen keine Großveranstaltungen mehr stattfinden. Dadurch ist es in der Kunst und Kulturbranche sehr still geworden. Tausende von Menschen sind von diesen Einschränkungen betroffen. Sie können ihren Beruf nicht mehr ausüben. Mit einer deutschlandweiten Aktion namens „Ohne Kunst und Kultur wird´s still“ soll nun auf diese Missstände aufmerksam gemacht werden.


Stille für den guten Zweck


„Ohne Kunst und Kultur wird´s still“ heißt die Aktion. Sie sorgt seit Freitag deutschlandweit für Aufsehen. Über 100 Künstler*innen beteiligten sich an der Aktion. Darunter auch Sarah Connor, Nico Santos und Wincent Weiss. Jeder von ihnen veröffentlichte einen zweiminütigen Song. Dieser enthält allerdings nur Stille. Sinn und Zweck dieser Aktion ist es, ein deutliches, wichtiges und genreübergreifendes Zeichen zu setzen.


Stetiger Lockdown


Seit Beginn der Corona Pandemie Anfang 2020 befinden sich Künstler und Kulturschaffende in einem stetigen Lockdown. Sie dürfen keine Konzerte mehr spielen. Auch ihre Tourneen mussten sie auf unbestimmte Zeit verschieben. Mit der Schließung von Clubs und Konzertstätten ist den Künstlern eine wichtige Einnahmequelle genommen worden. Diese ist unersetzbar.
Hilfe für die Betroffenen gibt es allerdings kaum. Gerade das ganze Team, das hinter einem Musiker steht, leidet unter diesen Maßnahmen. Durch das Fehlen der Einnahmen stehen viele Familien und Existenzen auf dem Spiel.


Das sind ja komplette Familien und Existenzen, die da gerade sehr gefährdet sind. Und deshalb mach ich das für mein Team! Für die Gang!“ erklärte der deutsche Rapper Finch Asozial in einem Interview.

Beschränkungen sorgen für Leiden


Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Menschen und Berufsgruppen unter diesen Regelungen leiden müssen. Denn in der Öffentlichkeit wird nicht viel über diese berichtet. Mit der Aktion „Ohne Kunst und Kultur wird´s still“ wollen die Künstler und Künstlerinnen auf ihre Tänzer, Bandmitglieder, Tontechniker, Veranstalter und viele weitere Menschen aufmerksam machen, die hinter den Kulissen arbeiten.


„Künstler und Musiker sind natürlich von der aktuellen Situation sowohl beruflich als auch privat stark betroffen. Mir persönlich ist es aber viel wichtiger auf all die Menschen hinzuweisen, die unsere Live Konzerte überhaupt erst möglich machen. Deren Existenzen sind auf Grund der aktuellen Situation wirklich in Gefahr und benötigen dringend Unterstützung. Kultur basiert nicht alleine auf der Leistung der Künstler, sondern vor allem auf der Leistung aller Mitwirkenden vor, auf und hinter der Bühne.

Künstler und Kulturschaffende sind nicht weniger wert als ein Auto oder Flugzeug

David Garrett

Keine Unterstützung für Künstler


Die Kultur und Kreativwirtschaft beschäftigt mittlerweile rund 1,8 Millionen Menschen. Sie ist somit die drittgrößte Branche. Damit liegt sie auch ungefähr auf dem gleichen Niveau wie der Maschinenbau. Während dieses Gewerbe aber bei den aktuellen staatlichen Förderungsprogrammen gut abschneidet, gehen die Künstler mit leeren Händen aus. Und genau das soll jetzt geändert werden.


Die Betreiber der Kampagne „Ohne Kunst und Kultur wird´s still“ erhoffen sich, in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die schwierige Situation zu schaffen. Die Bedeutung von Kunst und Kultur soll hier verstärkt betont werden. Künstler und Kulturschaffende sollen nicht als weniger wert, wie beispielsweise Flugzeuge oder Autos, angesehen werden. Auch sie sollen Anspruch auf staatliche Förderprogramme erheben dürfen.


Ich finde schon, dass die Regierung mit Corona ganz gut umgegangen ist, zumindest im Vergleich zu anderen Ländern. Aber was die Maßnahmen für die Showbranche betrifft, ist es mittlerweile schon fünf nach zwölf. (…) Wenn es kurzfristig keine weiteren staatlichen Hilfen gibt, steht die LIVE-Branche mit ihren Mitarbeitern vor dem Aus, zumal es keine ausreichende Lobby für sie gibt.“

Howard Carpendale


Maßnahmen werden ergriffen


Gerade auf Social Media ist die Aktion weit verbreitet. Dort verschafft sie sich viel Gehör. Doch dabei soll es nicht bleiben. In vielen deutschsprachigen Städten hängen mittlerweile Plakate. Diese sollen auf die Aktion aufmerksam machen. Zeitgleich werden auch Spenden gesammelt.
Es werden allerdings auch härtere Maßnahmen ergriffen, um die Branche zu unterstützen. Am Samstag kam es in München zu einer Demonstration. Mehrere hundert Teilnehmer demonstrierten hier für die Nöte der Kunstschaffenden. Quer durch die gesamte Münchner Innenstadt zog sich der Protest, um sich Gehör zu verschaffen.


Kunst ist mehr als Freizeit!


Doch dies war nicht die einzige Aktion, die Aufsehen erregt hat. Seit dem zweiten November leuchten jeden Abend zahlreiche Bühnenhäuser rot. In München sind das beispielsweise das Gärtnerplatztheater, das Prinzregententheater, das Residenztheater und die Bayerische Staatsoper. Die Aktion geschieht unter dem Leitsatz „Alarmstufe rot.“ Auch hier soll wieder auf die Missstände hingewiesen werden, die die Kunst und Kulturbranche in dem letzten Jahr erleiden musste. Denn: Kunst ist mehr als Freizeit. Kunst ist essentiell.

Kunst ist keine Selbstverständlichkeit


Initiiert wurde das Vorhaben von Patrick Thiede. Er ist General Manager beim Musiklabel Chapter One und versucht mit seiner Forderung sich Gehör in der Politik zu verschaffen. In einem kürzlich veröffentlichten Instagram-Post schrieb er: „Kunst und Kultur ist nicht selbstverständlich. Kunst muss gesehen, gelesen und gehört werden. Kunst und Kultur muss sich in der Politik Gehör verschaffen.“ Ob seine Aktion Erfolg hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Bildrechte

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https://search.creativecommons.org/photos/8aa29467-a6aa-40dc-a287-9fddd8792abd: ico Santos – 2019102192227 2019-04-12 Radio Regenbogen Award 2019 – Sven – 1D X MK II – 0776 – AK8I9945.jpg von Sven Mandel. Lizenz:  CC BY-SA 4.0

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https://search.creativecommons.org/photos/b62bf0bf-a14e-4137-b30f-9d94bc01017f: München im April 2011 von pilot_micha. Lizenz:  CC BY-NC 2.0 

https://search.creativecommons.org/photos/98c4600a-56c8-4b8d-be7f-0ee4b4b3fcc2: Bayerische Staatsoper – Stalls von NoirinP. Lizenz:  CC BY-NC 2.0

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Über den Autor

Lisa Schäffer

Lisa Schäffer studiert seit Oktober 2020 Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach und strebt hier den Bachelor of Arts an.