Tutuus, Kuscheligkeit und Erziehung kleiner Hunde

…Wie funktioniert Erziehung kleiner Hunde?

Wer kann schon diesen Augen widerstehen?

Ich hätte ja gerne einen Hund. Aber so einen richtigen Winzhund, einen Chihuahua, einen Affenpinscher, einen Mops oder einen Bologneser. So einen, der auch mal in meiner Handtasche sitzen darf. Der passt super zu meinem Make-up, meinen riesigen Kunstpelzmänteln und den pinken 10-Zentimeter-High Heels. Dann hätte ich das „Tussi-Image“ zu 100% erreicht.

Ich nenne sie Bonnie und sie ist mein kuscheliges Accessoire. Mit ihrem flauschigen Fell um den winzigen Körper wird sie so süß aussehen. Sie kriegt rosa Schleifchen und Tutuus und ganz viel Kuscheleinheiten natürlich. Wirklich trainieren könnte ich sie nicht, sie könnte sich ja verletzen. Sie ist so zerbrechlich. Natürlich darf sie mit in mein Bett, und natürlich darf sie immer in meiner Handtasche sitzen. Allerdings werde ich sie anschreien, wenn sie ihr Geschäft im Haus macht, meine 200€ Fondation kaputt macht oder anfängt, andere Hunde oder Menschen anzukläffen.

Ich hoffe, keiner hat wirklich geglaubt, dass ich einem Hund einen solchen psychischen Terror antun würde. Das ist es nämlich. Psychischer Terror.

Immer diese Kamphamster. Nervig, oder? Was läuft falsch bei der Erziehung?

Kennt ihr die Situation, wenn ein großer und ein kleiner Hund im Park aufeinander treffen? Der kleine fängt an zu kläffen, hängt sich schier am Halsband auf, während der große Hund gelassen an ihm vorbeitrottet? Die Halterin hält ihn am Halsband zurück udnd trägt ihn regelrecht am großen Hund vorbei, während dieser nur ratlos sein Frauchen anblickt.

Studien über Studien über Erziehung kleiner Hunde

Die veterinärmedizinische Fachzeitschrift „Veterinary Focus“ veröffentlichte im April 2017 einen Online-Artikel über die Auswirkungen eines geringeren Körpergewichts auf die Gesundheit der Hunde. Sie ging dabei auch auf das Verhalten ein. Kleine Hund weisen laut Studien Verhatensweisen wie höhere Aggression oder Furcht gegen Fremde, Besitzer oder Hunde, Berührungsempfindlichkeit, Anhänglichkeit und Erregbarkeit auf.

Eine Studie mit dem Namen: Behaviour of smaller and larger dogs: Effects of training methods, inconsistency of owner behaviour and level of engagement in activities with the dog“ stützt diesen Artikel und forschte auch zu den Ursachen. Sie wurde im Januar 2010 von Applied Animal Behaviour Science herausgegeben. Es wurden Umfragen in Groß- und Kleinstädten bei Haltern von großen (>20kg) und kleinen (<20kg) Hunden durchgeführt. Es gab 1276 Fragebögen.

Die Studie zeigte ebenfalls, dass kleine Hunde sind im Schnitt weniger gehorsam, aggressiver, aufgeregter und ängstlicher sind als große Hunde.

Egal, wie niedlich ud schutzbedürftig der Hund aussieht-Training und Spielen sind dennoch wichtig!

Halter kleinerer Hunde gaben bei der Studie an, unsicherer im Umgang mit ihrem Hund zu sein, vor allem bei Spielaktivitäten oder dem Training. Die Trainingsmethoden unterscheiden sich nicht, größere Hunde bekommen aber allgemein mehr Training und Spielmöglichkeit. Auch seien Halter von kleinen Hunden weniger konsequent. Dies kann man selbst beobachten. Ein großer Hund, der an einem Menschen hochspringt, wird eher zurückgepfiffen als ein kleinerer Artgenosse, da sein Verhalten auf Menschen aufgrund der Körpergröße bedrohlicher wirkt. Ein konsequenteres und strengeres Verhalten, gepaart mit Training und viel Spielen führt zu besserer Gehorsamkeit von Hunden.

Konsequenz vs. Bestrafung kleiner Hunde

Konsequentes Verhalten ist übrigens nicht das Gleiche wie Bestrafung. Die führt nämlich bei allen Hunden zu aggressivem Verhalten. Eine auf Belohnung basierende Erziehung kleiner Hunde erzielt bessere Resultate. Bei kleinen Hunden führt mehr Bestrafung zudem zu mehr Ängstlichkeit und Scheu. Aggressives Verhalten vom Frauchen überträgt sich also auf einen Hund.

Manche Menschen sollten sich anstatt einem Hund vielleicht doch lieber ein Kuscheltier holen.

Halter kleiner Hunde oft das Gefühl, ihren Liebling „beschützen“ du „verwöhnen“ zu müssen, weil er so niedlich und schutzbedürftig wirkt. Das Hundemagazin „Rinti“ fügte sogar hinzu, dass kleine Hunde von Menschen nicht als „vollwertig“, sondern eher als Accessoire oder Kuschelersatz betrachtet werden. So bekommen kleine Hunde allein durch ihr Aussehen öfter das, was sie wollen und fordern dies auch durch kläffen, winseln und betteln öfter ein . Sie werden eher wie ein Kuscheltier, als wie ein Lebewesen betrachtet.

Wie funktioniert nun effiziente Erziehung kleiner Hunde?

Auch kleine Hunde brauchen Grenzen. Ein Hund braucht klare Regeln, sowie Training, Spieleinheiten und genug Auslauf. Sonst lernt er nicht, sich am Menschen zu orientieren. Zuviel Zuneigung und Kuscheln oder dichtes Herunterbeugen stresst ihn ebenfalls. Man muss einen kleinen Hund als vollwertigen Hund anerkennen und ihm gegenseitigen Respekt beibringen. In einer guten Erziehung kleiner Hunde muss klar sein, wer das Frauchen ist. Anstatt ihn ständig auf dem Arm oder in der Handtasche zu tragen, sollte der Hund seine eigenen Pfoten benutzen dürfen, da er sonst nicht mehr auf eigenen Pfoten laufen will. Außerdem ist eigene Bewegung auch für kleine Hunde sehr wichtig. Auch sollte der Umgang mit großen Hunden nicht gemieden werden. Der Hund baut sonst kein Selbstbewusstsein bleibt größeren Hunden gegenüber immer ängstlich. Deshalb bellen kleine Hunde auch sooft, wenn sie auf einen großen Hund treffen.

Ein gut erzogener kleiner Hund kann auch mit einem großem ohne Angst spielen

Also, liebt euren Hund, kuschelt ihn, aber erzieht und trainiert ihn wie einen großen Hund. Ich werde mir auf jeden Fall einen holen, sobald ich kann. Mit dem wird dann viel auf der Wiese herumgetollt, mit anderen (großen) Hunden gespielt und vor allem klare Grenzen gezogen. Aber vielleicht darf er trotzdem das eine oder andere Mal in meiner Handtasche sitzen. Vielleicht.

XOXO und byebye

Eure Hannah

Weiterführende Links:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0168159110000262

https://vetfocus.royalcanin.com/de/doc-155.html

Über den Autor

Hannah Wagner

Hannah Wagner, 20, geboren und aufgewachsen in Stuttgart, studiert Ressortjournalismus in Ansbach. Mag Pinguine.