Weihnachtsstadt Rothenburg ob der Tauber

Der traditionelle Reiterlesmarkt ist abgesagt. Stattdessen soll sich die Altstadt in eine Weihnachtsstadt verwandeln. 

Der Nebel hängt tief über dem Herzen der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber. Der sonst so belebte Marktplatz wirkt wie ausgestorben. Vereinzelt eilen Menschen vorbei, den Kopf gesenkt und die Hände in den Jackentaschen vergraben. Nur die große Tanne mitten auf dem Platz erinnert hier noch an Weihnachten. Die Verkaufsbuden, die normalerweise um diese Zeit bereits den Marktplatz umgeben, fehlen. Der Duft nach gebrannten Mandeln und Glühwein zieht nicht wie gewohnt durch die verwinkelten Gassen der Altstadt. In diesem Jahr müssen die Menschen auf viele liebgewordene Bräuche in der Vorweihnachtszeit verzichten, so auch auf den Weihnachtsmarkt. Stattdessen hat die Stadtverwaltung Rothenburg zur Weihnachtsstadt erklärt.

Weihnachtsstadt Rothenburg: Beim Blick auf den Marktplatz erinnert nur die große Tanne an die Weihnachtszeit
Weihnachtsstadt Rothenburg: Beim Blick auf den Marktplatz erinnert nur die große Tanne an die Weihnachtszeit

Rothenburger Reiterlesmarkt kann nicht wie gewohnt stattfinden 

Geplant war die Eröffnung des Weihnachtsmarktes für Montag, den 23. November. Traditionell läuten hierbei der Auftritt des Reiterles hoch zu Roß und der Lichterzug der Kinder über den Marktplatz die Weihnachtszeit in Rothenburg ein. Aufgrund der Pandemie musste der berühmte Rothenburger Weihnachtsmarkt, der an einem Adventswochenende in den vergangenen Jahren für gewöhnlich mehr als fünfzigtausend Besucher in die Stadt lockte, abgesagt werden. Die Bevölkerung ist bis mindestens Anfang Dezember dazu angehalten, ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken. Touristische Reisen sind ganz untersagt. Unter solchen Bedingungen kann laut dem Rothenburger Oberbürgermeister Dr. Markus Naser der Weihnachtsmarkt nicht wie gewohnt stattfinden. 

Der Reiterlesmarkt vor einem Jahr: Besucher von nah und fern ziehen über den Platz

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Verkaufsbuden auf dem Reiterlesmarkt von gemeinnützigen Vereinen und ehrenamtlichen Helfern betrieben werden. Diesen wäre es schier unmöglich, die geltenden Hygienemaßnahmen umzusetzen. Da die freiwilligen Helfer bunt zusammengewürfelt in Schichten arbeiten, würden in kurzer Zeit zu viele Menschen aus unterschiedlichen Haushalten aufeinandertreffen. Die Verbreitung des Corona-Virus wäre dadurch begünstigt. Das betonte der Oberbürgermeister in seiner Presseerklärung: „Eine der sympathischsten Eigenschaften unseres Reiterlesmarktes ist ja, dass viele Buden und Stände nicht geschäftsmäßig betrieben werden, sondern von gemeinwohlorientierten Vereinen. Viele dieser Vereine hätten große Schwierigkeiten gehabt, die strengen Hygienevorschriften zu erfüllen und manch einer hat seine Teilnahme am Weihnachtsmarkt schon vor Wochen abgesagt.“ Dennoch will die Stadtverwaltung für die Rothenburger-/innen ein vorweihnachtliches Angebot schaffen: Rothenburg soll sich in der Adventszeit in eine Weihnachtsstadt verwandeln. 

Rothenburg soll zur Weihnachtsstadt werden 

Für die Weihnachtsstadt Rothenburg  wirbt die Stadtverwaltung.
Für die Weihnachtsstadt Rothenburg wirbt die Stadtverwaltung.

Voraussetzung für die Weihnachtsstadt ist, dass Bund und Länder die derzeit geltenden Pandemiebestimmungen nicht bis in den Monat Dezember hinein verlängern. Denn wenn die Gastronomie am ersten Dezember wieder öffnen darf, soll die ganze Altstadt zur Weihnachtsstadt werden. 

Wie wird das konkret aussehen? 

Den Restaurants und Hotels im inneren Kern der Altstadt wird gestattet, ihre Außenbereiche, die sie normalerweise während dem Weihnachtsmarkt nicht zur Bewirtung von Gästen nutzen dürfen, durchgehend zu öffnen. Die Versorgung der Besucher mit Glühwein und Co. findet nun in, und vor den Gasthäusern statt. Damit verfolgt die Stadt Rothenburg das Ziel, große Menschenansammlungen vor einzelnen Buden zu vermeiden. Die Gastronomen sind dazu angehalten, bei der Bewirtung der Besucher die geltenden Hygiene-und Abstandsmaßnahmen zu garantieren. 

Weihnachtsstadt Rothenburg: Stadt greift lokalen Gastronomen unter die Arme

Mit dem Konzept Weihnachtsstadt will die Stadtverwaltung dazu beitragen, das Überleben der Rothenburger Gastronomiebetriebe zu sichern. Während der Weihnachtsstadt soll es ausschließlich lokalen Wirten vorbehalten sein, die Leute mit Speisen und Getränken zu versorgen. Somit erhofft sich die Stadt, dass sich die Restaurants und Wirtshäuser von ihren Einnahmeausfällen im Monat November erholen können. 

Oberbürgermeister Dr. Naser empfiehlt in einer Erklärung, das Speisen-und Getränkeangebot auf Weihnachten auszurichten: „Der ein oder andere Wirt wird im Dezember sicher auch „Drei im Weggla“ oder eine Bratwurst im Brötchen im Angebot haben, damit auf den gewohnten Weihnachtsmarktgenuss nicht verzichtet werden muss.“ Auf diesem Weg sollen die Rothenburger in Weihnachtsstimmung kommen, wenn auch der traditionelle Reiterlesmarkt nicht stattfinden kann. 

Die ganze Altstadt soll an Weihnachten erinnern 

Der Oberbürgermeister fordert die Gastwirte dazu auf, ihre Sitz-und Stehmöglichkeiten im Außenbereich stilvoll weihnachtlich zu dekorieren. Aber nicht nur die Restaurants und Gasthäuser sollen eine weihnachtliche Atmosphäre kreieren. In der gesamten Altstadt wird ansprechende Dekoration dafür sorgen, die Menschen auf Weihnachten einzustimmen. Kleine Tannenbäume und Lichterketten, verteilt auf den Plätzen und in den Gassen der Altstadt, tragen zur Weihnachtsstimmung beitragen.

Weihnachtsstadt Rothenburg: Bei Händlerbuden folgt man Nürnberger Vorbild 

Um das Gefühl eines Weihnachtsmarktes im Kleinen aufrechtzuerhalten gibt es Händlerstände mit kunsthandwerklichem Angebot und Gebrauchsgegenständen. Auch in diesem Jahr will Rothenburg in seiner Weihnachtsstadt, laut Oberbürgermeister Dr. Naser, auf diese Verkaufsbuden nicht verzichten müssen. Mehrere Händler-Stände, an welchen ausschließlich Gebrauchsgegenstände, dass heißt keine Speisen oder Getränke veräußert werden, sollen vereinzelt und mit jeweils großem Abstand voneinander auf den Plätzen der Rothenburger Altstadt zugelassen werden. Hier folgt Rothenburg dem Nürnberger Vorbild. 

Weihnachtsstadt Rothenburg: Alle Planungen stehen unter Vorbehalt

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen, ob das Konzept Weihnachtsstadt tatsächlich in die Tat umgesetzt werden kann. Sollten Bund und Länder die momentan geltenden Vorschriften über den 30. November hinaus verlängern, kann es, so der Oberbürgermeister, keine Weihnachtsstadt geben: „All unsere Planungen stehen aber, wie immer in den vergangenen Monaten, unter dem Vorbehalt kurzfristiger Änderungen. Sollte von Seiten des Bundes oder des Landes entschieden werden, dass der Lockdown über den 30. November hinaus verlängert wird, sind unsere Planungen natürlich hinfällig.“ Das hätte auch für die lokalen Gastronomen schlimme Folgen. Sie könnten ihre Ausfälle nicht ausgleichen. Wenn dieses Szenario eintritt, hofft Dr. Naser auf die Unterstützung der Regierung: „In diesem Fall müsste der Staat den vom Tourismus abhängigen Betrieben erneut kräftig unter die Arme greifen, um eine gigantische Pleitewelle zu verhindern.“

Bildrechte

07.12.2020 – Weihnachtsstadt Rothenburg ob der Tauber – Nicht aufgeführt.

15.12.2020: Änderung der Keyphrase in: Weihnachtsstadt Rothenburg.

21.12.2020 – Weihnachtsstadt Rothenburg – Nicht aufgeführt.

Über den Autor

Pauline Held

Pauline Held hat ihr Abitur am Reichsstadt-Gymnasium in Rothenburg ob der Tauber absolviert.
Momentan studiert sie Ressortjournalismus im ersten Semester an der Hochschule Ansbach.