Studieren während Corona: reine Bildschirmzeit!

Holpriger Start ins Studentenleben

Student an seinem Arbeitsplatz: vor dem Bildschirm

Die diesjährigen sogenannten „Erstis“ erleben sie ganz besonders. Nämlich gar nicht, weil das Studieren in der Corona-Zeit von Anfang an anders abläuft. Die Rede wäre von den Orientierungstagen. Damit gemeint sind die ersten Tage des Studiums, an denen Kennenlernveranstaltungen und andere individuelle Programmpunkte angeboten werden. Die Einsteiger bekämen hierbei einen kleinen Einblick in das partyreiche Leben ihrer Kommilitonen und lernten zugleich viele neue Gesichter kennen.

Doch leider müssen zum Bedauern aller Studenten jegliche Planungen für dieses Semester gecancelt werden. Um zumindest ein digitales Kennenlernen zu ermöglichen, gründen viele Studenten WhatsApp-Gruppen, in denen sie gemeinsamen Interessen nachgehen. Beispielsweise nehmen sie an Multiplayer-Spielen wie Among Us oder Schafkopf online teil und tauschen sich durch das Headset gegenseitig aus. 

Vorerst halten die verschärften Kontaktbeschränkungen bis Ende November an. Danach wird weiter entschieden, ob sich mehrere Personen treffen dürfen und somit mehr als nur virtuelle Freunde gefunden werden können.

Herausforderung für Körper und Geist

Das „erzwungene Fernstudium“ verlangt einen langen Aufenthalt vor dem Bildschirm. Die heutigen Studenten haben keine Wahl mehr, ob sie digital arbeiten oder nicht. Denn alles ist online und die Folgen sind spürbar. Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und müde Augen sind nur einige von vielen Problemen, die das Studieren während der Corona-Pandemie mit sich bringt.

Ärzte warnen vor falscher Sitzposition. Empfehlenswert ist eine aufrechte Haltung, um mögliche Beschwerden im Rückenbereich zu vermeiden. Auch die Augen leiden unter dem ständigen „Glotzen“ auf die Bildschirme. Austrocknung und Müdigkeit sind die häufigsten Symptome. Darum raten Experten auf genügend Feuchtigkeit im Raum zu achten, regelmäßige Pausen ohne das Smartphone einzulegen, mal in die Ferne zu schauen oder sich mit anderen Sachen zu beschäftigen. Das heißt, Handy weg! 

„Studieren während der Corona-Zeit, also reiner Online-Unterricht, ist extrem anstrengend. Ich muss ständig gähnen und meine Aufmerksamkeitsspanne lässt schon nach der ersten halben Stunde der Vorlesung nach.“

Psychologiestudent der Universität Ulm

Eine weitere Herausforderung des E-Learnings ist es, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Ungewollt lässt diese auf Dauer nach. Was aber immer noch nicht nachlässt, ist die Verbreitung des Covid-19 Virus. Bis zur Einführung normaler Präsenzvorlesungen können noch Monate vergehen, weswegen sich die Studenten weiterhin auf digitales Lernen einstellen müssen. 

Mehr Disziplin ist gefordert

Das man spätestens nach der Schule viel selbstständiger werden muss und keinem mehr hinterhergerannt wird, ist bekannt. Doch die Corona-Version des Studiums verdeutlicht, dass sehr viel mehr Disziplin gefordert ist. 

Vorlesungen, Präsentationen und Prüfungen muss nun jeder Student selbst organisieren und wahrnehmen. Bei der Menge an Informationen von verschiedenen Kursen und Websites, ist es schwer den Überblick zu bewahren. Für viele ist dies eine sehr große Herausforderung.

Aber auch das Ablenkungsrisiko ist zu Hause viel größer als im Vorlesungssaal. Nebentätigkeiten wie das Erkunden von Social Media Kanälen oder gar Kochen während der Vorlesung verhindern das Lernen und somit die Chance auf mehr Verständnis. 

Tipp:

1. Achte auf eine gute Lernatmosphäre; am Besten am Schreibtisch mit genügend Licht

2. Stelle dir vor Beginn der Sitzung Getränke und Snacks bereit, um Unterbrechungen zu vermeiden

3.Erstelle dir einen Lern-/Stundenplan für eine bessere Zeiteinteilung

4. Mache zwischendurch Pausen; Lüfte den Raum durch

5. Finde deinen eigenen Lernrhythmus und halte dich daran

Das Bildschirmdilemma

Nach der Verwendung von unzählbaren Heften, Blättern und Büchern während der Schulzeit, setzen die meisten Studenten auf digitales Schreiben am Laptop oder Tablet. Doch jetzt besetzen hauptsächlich Professoren und ihre PowerPoint Folien den Bildschirm. Somit stellt sich für viele die Frage: Mit welchem Gerät kann ich mitschreiben?

Die Ergebnisse einer selbsterstellten Umfrage mit 80 Teilnehmern im Hersbrucker Ortskreis besagt, dass die meisten Studenten den sogenannten Splitscreen verwenden, eine Funktion neuerer Geräte, um den Bildschirm in verschiedene Bereiche zu teilen. Hier kann der Student eine Hälfte der Bildfläche für die Vorlesung und die andere zum Mitschreiben nutzen. Die Multifunktion kann je nach Gebrauch angepasst werden, indem man beispielsweise die Größe der Bildschirmabschnitte manuell verändert.

Wer diese neue Technik nicht besitzt, greift meist zum altbewährten Laptop. Aber auch in dem Fall gibt es eine Alternative, um digitale Notizen möglich zu machen: die Funktion des „Splitscreens“ durch zwei ganze Geräte ersetzen. Etwa 16 der Befragten steht ein zusätzliches Medium, wie das iPad der Eltern zum Mitschreiben zur Verfügung. Es gibt auch einige, die keine der beiden Optionen haben. Diese rund 14 Prozent weichen meist zum Smartphone aus oder schreiben ganz „oldschool“ auf Papier mit. Somit zeigt sich, das neue Lernmöglickeiten Teil vom Studieren in der Corona-Pandemie werden.

„Der Bildschirm auf dem Smartphone ist zwar sehr klein, reicht im Grunde aber aus, um Vorlesungen zu schauen.“

RJO Studentin der Hochschule Ansbach

Technik: Problem und Segen zugleich 

Viele Studenten und Professoren klagen kontinuierlich über die technischen Schwierigkeiten, die das E-Learning mit sich bringt. Nicht überall gibt es eine gute Verbindung zum Internet, nicht jeder hat einen schnellen Prozessor. Ständig werden die Dozenten aufgefordert ihre Lehrlinge aus dem digitalen Warteraum zu holen, da sie unbeabsichtigt rausgeworfen wurden. Dies und weitere Probleme sind kaum vermeidbare Bestandteile des Online-Studiums.

Doch trotz etlicher Beschwerden sollten wir dankbar für die Möglichkeit des E-Learnings sein. Die Bildung junger Leute hat nach wie vor hohe Priorität. Die meisten sehen es zwar als Selbstverständlichkeit einen WLAN Router zu besitzen, aber ohne die Verbindung zum World Wide Web wäre das Lernen unter den derzeitigen Umständen undenkbar. Apps wie Zoom (https://zoom.us) und Microsoft Teams (https://www.microsoft.com/de-de/microsoft-365/microsoft-teams/education), die Upgrades von icq und Skype, machen Online-Unterricht erst möglich. Somit beweist sich der technische Fortschritt als große Unterstützung im Kampf gegen Corona, wenn auch mit gewissen Mängeln. 

Bildnachweise:

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07.12.2020 – Studieren vor dem Bildschirm – nicht aufgeführt

21.12.2020 – Studieren während Corona: reine Bildschirmzeit! – nicht aufgeführt

Über den Autor

Desiré Cordasco

Journalismusstudentin mit Spezialisierung auf das Ressort Kultur & Lifestyle an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ansbach