„Winter is coming“ und damit die Winterdepression

Der Winter kommt und damit die schlechte Laune?

Die meisten Leute haben sicher schon einmal von ihr gehört und selbst die lebensfrohesten unter uns haben sie schon einmal bei sich selbst diagnostiziert – die Winterdepression. Bereits in der Antike wurde sie von Hippokrates beschrieben.

Wenn die Tage kälter und kürzer werden und kaum noch ein Sonnenstrahl die Wolkendecke durchdringt, wird klar, der sonnige Herbst hat sich endgültig verabschiedet. Der Winter ist da und schlägt damit gerne mal dem ein oder anderen ordentlich aufs Gemüt. Dieses Phänomen scheint inzwischen weit verbreitet und in unserer Gesellschaft stetig zuzunehmen.

Aber kann man bei der Winterdepression tatsächlich von einer Krankheit sprechen?

Wenn man manch Mediziner fragt, dann auf alle Fälle! Denn Ärzte nennen diese saisonal auftretende Depression auch SAD (seasonal affective disorder), besonders dann, wenn sie ein ausgeprägtes Ausmaß annimmt. Es handelt sich hierbei um eine depressive Störung, die in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie gilt als Sonderform der affektiven Störung und ist im ICD-10, einer Codierung für Krankheitsbilder, den rezidivierenden also wiederkehrenden Depressionen zugeordnet. Erstmals beschrieben und benannt wurde sie von Norman. E. Rosenthal im Jahr 1984.

Soweit die Fakten. Glücklicherweise handelt es sich bei Vielen in diesen Tagen „nur“ um eine leichte Stimmungsschwankung, die nicht weiterer Behandlung bedarf. Winterblues wäre hier die wohl treffendere Bezeichnung. Typische Symptome können ein Stimmungstief, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Mattigkeit, generelle Erschöpfung und sogar Gereiztheit sein.

Wo liegt der Unterschied zwischen Winterdepression und Winterblues?

Beim Winterblues schwankt die Stimmung eher tageweise – es gibt auch Zeiten ohne ein Stimmungstief. Wenn die oben beschriebenen Symptome aber über 2 Wochen stetig anhalten und sich nicht bessern, kann es sich um eine SAD handeln. Kommen zudem noch Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Ängstlichkeit oder Lust- und Interessenlosigkeit hinzu, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer ernstzunehmenden depressiven Störung sprechen.

Die Ursachen einer Winterdepression

Für eine der Hauptursachen werden Störungen des biologischen Tagesrhythmus angenommen. Tatsächlich ist der Mangel von Lichteinstrahlung während der dunklen Jahreszeit ein Problem für unseren Körper. Normalerweise wird das Schlafhormon Melatonin Nachts ausgeschüttet. Durch die geringe Lichtintensität in den Wintermonaten, wird dieses auch tagsüber aktiv. Intensives Licht fördert die Unterdrückung der Melatoninausschüttung. Da dieses aktuell fehlt und viele sich zusätzlich eher im Warmen drinnen aufhalten, ist die Melatoninkonzentration auch tagsüber zu hoch. Es ist zwar umstritten, ob Melatonin Depressionen auslöst, anerkannt ist aber, dass es das Schlafbedürfnis erhöht.

Ein weiterer Faktor ist der im Körper benötigte Neurotransmitter Serotonin. Um Melatonin herzustellen, wird die Aminosäure Tryptophan stärker verbraucht und fehlt damit für die Bildung von Serotonin – welches in unserem Körper für eine ausgeglichene Psyche und gute Stimmung sorgt. Fehlen uns diese kleinen Gutelaune-Macher, ist Müdigkeit und Reizbarkeit nur eine logische Konsequenz.

Nebenbei betrachtet – wer früh morgens im Dunklen aufstehen muss, ist laut Forschung noch dazu im Nachteil. Gewinner sind hier wieder die flexiblen Arbeitsmodelle, wie z.B. Gleitzeit oder Home-Office. So hat der Mensch die Möglichkeit, den Tagesrhythmus besser der inneren Uhr anzupassen und erkrankt dementsprechend seltener.

Fakt ist, dass die im Winter gegenüber dem Sommer verlängerten Dunkelphasen beim Großteil der Bevölkerung zu erhöhten Melatonin- und verringerten Serotonin-Werten führen.

Was tun gegen Winterblues?

Die meisten Menschen neigen dazu, sich in der kalten Jahreszeit eher zurück zu ziehen und sich nicht mehr vor die Tür zu wagen – jedoch ist genau das kontraproduktiv. Eine regelmäßige körperliche Betätigung im Freien wäre jetzt besonders wichtig. Selbst ein Spaziergang an grauen Tagen versorgt uns mit Tageslicht und hilft so den Melatoninspiegel zu senken. Sport schafft Ausgeglichenheit und einen regelmäßigen Schlaf, da er in unserem Körper viele positive Effekte ankurbelt.

Zudem ist der Mensch ein soziales Wesen und braucht seine Kontakte. Gemeinsame Unternehmungen mit Freunden und der Familie steigern unsere Motivation und unser Wohlbefinden. In Zeiten von Corona ist dies leichter gesagt als getan, jedoch ist auch ein Spaziergang mit dem eigenen Hausstand dieser Tage möglich und sicher besser als Nichts.

Wenn sich die Lage verschlimmert

Haben die oben beschriebenen Maßnahmen keinerlei Erfolg oder ist bereits eine psychische Vorbelastung gegeben, ist eine professionelle Hilfe in Form einer ärztlichen bzw. psychologischen Therapie unbedingt notwendig.

Eine schwere SAD benötigt eine komplexe Behandlung. Wie bei allen Erkrankungen sollte zunächst eine kausale Therapie versucht werden. Dies bedeutet die krankheitserregende Ursache zu behandeln und zu beseitigen. Sie wird daher auch ursächliche Behandlung genannt. Fester Bestandteil bei allen Schweregraden einer SAD Behandlung, ist daher die Lichttherapie. Tageslicht ist zwar mit seiner Intensität und der Art des Lichtes, also seiner Spektrumbreite, am wirksamsten, jedoch werden nach ärztlicher Verordnung auch medizinische Lichttherapiegeräte verschrieben. Etwa 60-90% der Betroffenen sprechen auf eine solche Art der Behandlung bereits nach 2 Wochen an.

Symptomatische Behandlung einer Winterdepression

Erzielt eine Lichttherapie nicht den gewünschten Erfolg, kann ersatzweise bzw. ergänzend mit Antidepressiva wie z.B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer behandelt werden. Diese gelten laut Leitlinie seit 2015, neben der Lichttherapie, als erste Wahl zur Behandlung von saisonalen depressiven Störungen.

In der Pflanzenheilkunde wird beispielsweise das Echte Johanniskraut zur Linderung von Depressionen angewandt. Die Wirksamkeit ist zwar umstritten aber ein Versuch ist es allemal wert.

Hilfe ist Wichtig!

Ein bisschen Melancholie in der dunklen Jahreszeit sei jedem gegönnt. Jedoch sollte man achtsam mit sich und seinen Mitmenschen sein, um schwere Verläufe frühzeitig zu erkennen und deren Folgen verhindern zu können. Auch schon bei ersten Anzeichen sollte man sich nicht scheuen, einen Profi aufzusuchen, denn auch hier gilt – lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig!

Bildnachweis

07.12.2020 – Winterdepression – nicht aufgeführt

20.12.2020 – Winterdepression – nicht aufgeführt

Über den Autor

Stephanie Brunner

hat eine Ausbildung zur MTRA absolviert. Anschließend hat sie berufsbegleitend das Fachabitur nachgeholt und ist aktuell Studentin für Ressortjournalismus an der HS Ansbach.