Big Ten Football und die US-Wahl-Zurück auf dem Feld!

Warum die Rückkehr der Big Ten Football Konferenz die US-Wahl für Trump entscheiden könnte

Die „Big Ten“ Football Conference, Amerikas wichtigste College Football Liga hat sich nach ihrer Absage im August überraschend umentschieden und die Saison trotz steigenden Corona Zahlen am 23. Oktober begonnen. Ein Erfolg für Präsident Trump, der sich vehement für eine Nichtabsage eingesetzt hatte. In der kommenden US-Wahl hofft er auf die Stimmen der Big Ten Football Staaten.

Die Enttäuschung war groß bei den Amerikanern, als am 11. August die für den Oktober geplante Saison der „Big Ten“ Football Conference aufgrund des Coronavirus abgesagt wurde. Die im Mittleren Westen angesiedelte Liga, bestehend aus 14 College Teams, gehört zu den ältesten und prestigereichsten der USA. „Die geistige und körperliche Gesundheit und das Wohlergehen unserer studentischen Athleten standen im Mittelpunkt jeder Entscheidung, die wir getroffen haben, um voranzukommen“, sagte Commisioner Kevin Warren in einer Pressemitteilung. Frühestens im Frühling 2021, so der weitere Plan, solle die Saison dann beginnen.

Dass diese Entscheidung auf Unmut stieß ist kein Wunder. In vielen Staaten ist College Football noch höher angesehen als der Profisport der National Football League (NFL). So übersteigen die Zuschauerzahlen von Teams wie den Michigan Wolverines regelmäßig die 100.000 und damit auch die der Profiteams der NFL . Im Schnitt 25,6 Millionen Menschen sahen zu, als im Vorjahr die Louisiana State University und die Clemson Tigers aus South Carolina das College Finale spielten. Im Vergleich dazu kam die Finalserie der National Basketball Association 2019 zwischen den Golden State Warriors und den Toronto Raptors nur auf durchschnittlich 15,1 Millionen Zuschauer.

Die Pennsylvania State University ist Teil der Big Ten Konferenz. Dieses Jahr werden ihre Spiele ohne Fans stattfinden.
Heimspiel der Pennsylvania State University vor über 105.000 Zuschauern

Neuansetzung der Saison trotz steigender Corona- Zahlen

Ebenso erfreulich wie überraschend kam es dann, als Warren am 16.09.2020 verkündete, was die Präsidenten der 14 betroffenen Universitäten in einer Abstimmung beschlossen hatten: Die „Big Ten“ soll am 23. Oktober, ohne Fans, mit einem Hygienekonzept und vor allem mit wenigeren Spielen stattfinden. Möglich sei dies durch tägliche Tests der Spieler und Trainer sowie der Entwicklung von Protokollen zur Überprüfung auf Herzkrankheiten wie Myokarditis.

Die Entscheidung wurde trotz steigenden Infektionszahlen in den USA getroffen: Insgesamt 200.000 Infektionen an Universitäten wurden bis Ende Oktober gemeldet, 8.500 davon an Universitäten der „Big Ten“. Und trotzdem änderten elf der vierzehn Präsidenten ihre Meinung und stimmten nun für das Stattfinden der Saison. Damit beugt sich die Conference dem steigenden Druck von außen. Denn neben Spielern, Trainern, Eltern und Fans hatten auch Politiker schwere Kritik an der ursprünglichen Entscheidung geäußert. Der Starspieler Justin Fields von der Ohio State University rief sogar eine Petition ins Leben, um die Spielzeit zu retten. Mehr als 300.000 Menschen unterschrieben.

https://sign.moveon.org/petitions/wewanttoplay

Die „Big Ten“ als Wahlkampfthema zwischen Trump und Biden

Präsidentschaftskandidat Joe Biden passte die ursprüngliche Verschiebung der Saison gut in den Kram. Der 77- Jährige nutzte die Frustration der Fans und postete prompt ein Werbevideo, in dem er leere Stadien und Klassenzimmer der Conference zeigt. Er beschuldigte Präsident Trump für den Ausfall der Saison. Der Spot lief während der Ausstrahlung verschiedener NFL- Spiele im nationalen Fernsehen.

Joe Biden gibt Donald Trump die Schuld an der ursprünglichen Absage der Big Ten

Trumps Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In einer Pressekonferenz drehte er den Spieß um: Er sei nicht der Schuld an der Absage, sondern derjenige, der für einen Restart kämpfe. In seiner Rede machte er die Bedeutung des Sports für die Bevölkerung deutlich und sprach sich mehrfach für eine Neuansetzung des College Football aus. Damit erhöhte er den Druck auf die Verantwortlichen nochmals.

Präsident Trump

Welchen Einfluss hatte Präsident Trump auf den Start der Saison?

Auch in den folgenden Wochen machte sich Trump in Reden sowie auf Twitter für den College Football stark. Als die Entscheidungsträger rund um Commisioner Kevin Warren tatsächlich nachgaben, feierte der 74- Jährige dementsprechend die Rückkehr mit einem Tweet, in dem er nicht nur allen Beteiligten für ihren Einsatz dankte, sondern auch sich selbst einen Anteil an diesem Erfolg zusprach.

Präsident Trump gibt sich die Lorbeeren  für die Rückkehr der Big Ten

Doch wie groß sein Einfluss auf diese Entscheidung wirklich war, bleibt umstritten. Er selbst sagte im TV Duell mit Biden: „Ich habe den Football zurückgebracht“. Dem widerspricht die anonyme Aussage des Präsidenten einer „Big Ten“ Universität, der dem Sender NBC News versichert, dass „Präsident Trump nichts mit ihrer Entscheidung zu tun hatte und ihre Überlegungen nicht beeinflusst hat.“ Bestätigt ist nur ein Gespräch zwischen Trump und Warren. Dieser hatte jedoch laut einer Pressemitteilung der „Big Ten“ keinerlei Berechtigung , auf die Entscheidung einzuwirken.

Weshalb Donald Trump so großen Wert auf die „Big Ten“ legt

Um die US- Wahl zu gewinnen, braucht es 270 Wahlleute. Laut der New York Times hat Trump durch die traditionell gleich wählenden Staaten bereits 125, Biden sogar 212 Wahlleute sicher. Es braucht also die Stimmen der sogenannten Swing States, die wie der Name schon sagt, von Wahl zu Wahl unterschiedlich stimmen. Zu diesen Staaten gehören auch die „Big Ten“. Wählt keiner von ihnen Trump, so kann er mathematisch gar nicht mehr gewinnen, auch wenn er sich alle anderen offenen Staaten sichert.

Ohne „Big Ten“ also keine Wiederwahl für Trump. Deshalb ist es kaum verwunderlich dass Trump vermehrt Wahlkampf in den betroffenen Staaten führt und mit seinem Einsatz für die Konferenz bei den Einheimischen punkten will. Für eine zweite Amtszeit braucht er mindestens drei der „Big Ten“ Staaten.

Die Big Ten Staaten im Nordosten der USA.
Die „Big Ten“ Staaten im Nordosten der USA. Der Name der Konferenz ist auf die ursprünglichen zehn Mitgliedsuniversitäten zurückzuführen, heute sind es 14 Mitglieder: Indiana, Maryland, Michigan, Michigan State, Ohio State, Pennsylvania State, Rutgers, Illinois, Iowa, Minnesota, Nebraska, Northwestern, Purdue und Wisconsin

Am 03. November findet die US- Wahl statt

Am frühen Mittwochmorgen deutscher Zeit wird sich zeigen ob sich Trumps Einsatz für die „Big Ten“ gelohnt hat. Aktuellen Umfragen zufolge soll Trump in den „Big Ten“ Staaten nur in Indiana und Nebraska vorne liegen. Mit Ohio und Iowa scheinen zwei weitere Staaten in Reichweite zu sein. Alle anderen Staaten der Konferenz scheinen von Trumps Einsatz unbeeindruckt zu sein und stehen aktuell auf der Seite von Herausforderer Joe Biden.

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Die Rückkehr der geliebten Konferenz dürfte nichtsdestotrotz bei so manchem für starke Emotionen gesorgt haben. Falls es zu einem knappen Ergebnis kommt, könnten gerade die Menschen, die sich in den „Big Ten“ Staaten bei ihrer Entscheidung von der Dankbarkeit und Euphorie leiten lassen, das Zünglein an der Waage sein und das Ergebnis zu Gunsten von Trump kippen.

nicht ausgeführt( 07.12.2020)

Über den Autor

Nico Lutz

Angehender Sportjournalist
Nico Lutz studiert seit Oktober 2020 Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach. Seine große Leidenschaft gilt dem Sport, er spielt selbst Fußball, Tennis und Darts, außerdem interessiert er sich für American Football.